Nach fast 21 Stunden auf See sind wir gestern, 12.45 in Cartagena eingelaufen. Die ganze Überfahrt kam der Wind schwach von vorn, die Genua und das Groß haben teilweise mitgezogen, aber meistens lief der Jockel. So werden jedenfalls die neuen Wellenlager eingefahren und auch der Propeller muss zeigen, ob er es noch kann. Weil seit dem Lichtmaschinenwechsel die Alarmlampen für Kühlwasserüberhitzung und Ladefunktion kontinuierlich brennen, muss ab und zu die Kühlwassertemperatur per Hand und die Ladespannung per Voltmeter gefühlt, bzw. gemessen werden. Alarmlampen an bedeutet also ab jetzt Kühlwassertemperatur und Ladestrom ok.

29° Wassertemperatur zwingen gewissermaßen Hein Seemann nach der Ankunft in Cartagena, den Propeller zu kontrollieren. Aber auch da ist alles so, wie es sein soll.

Nach dem Anlegemanöver und dem Festmachen der Mooringleine ist mit dem Schienenverband des gebrochenen Fingers kein Staat mehr zu machen. Es muss ab jetzt ohne ihn gehen und der ausgiebige Gebrauch der Nagelbürste macht auch die Fingernägel wieder fit für einen Besuch in der Segelclubbar.

der gebrochene Finger

Der Computer des Clube Nautico Regata Cartagena, oder so ähnlich, kennt SY. Merry Mary noch vom letzten Besuch 2002. Computer vergessen nicht. Die Passfotos des Eigners stammen aus der Zeit,  sind attraktiver und müssen nicht unbedingt gegen neue getauscht werden.

Marina Almerimar

Wegen der vorherrschenden Winde aus Nord-Ost, also die Richtung, in die wir fahren wollen, richten sich die Abfahrtstermine nach dem Wetter, zumal wir ja Frau Kapitän bei Urlaubslaune halten wollen. Der 25.07., also dieser Sonntag, ist so ein windärmerer Tag, an dem man nicht so gegen an knüppeln muss. Allerdings ist auch Formel1, unser Sebastian steht auf Pole, das spricht gegen Abfahren.

Der Kompromiss ist das Auslaufen nach Formel1. Der verlorene Start und der daraus resultierende 3.Platz wird mit Gambas Piri Piri und Bier kompensiert, der spanische Wirt ist stolz auf seine Fußballer, seine in Frankreich rum fahrenden Radfahrer und nun auch Formel1-Sieger aus Hockenheim. Schämt er sich? Nein er ist ein stolzer Spanier. Recht hat er, aber wir müssen los, keine Zeit zu feiern.

Auslaufen 16.10, bei wenig Wind und Welle, aber mit Groß, Genua und Motor geht es gemütlich in Richtung Cartagena.

Nach 23 Stunden mit wechselnden Winden kommen wir in Almerimar an. Auch diese Nacht haben wir wegen der häufigen Segelwechsel wenig geschlafen. Das gute Frühstück auf See baut auf, macht aber den Anblick, dieser durch die vielen mit Plastikfolien überzogenen Obst- und Gemüseplantagen nicht angenehmer. Es gibt weiße Strände, wenig belebt, Berge teils schneebedeckt im Hintergrund, aber das Hinterland vor den Bergen ist farblos, folienbedeckt, ausgebrannt.

Das Segeln gefällt der Damenwelt, keine großen Wellen, wie auf dem Atlantik, gegen die man anknüppeln muss, oder auf denen man runter rutscht, die Winde wesentlich moderater, die Temperaturen, bei denen man ohne die Wärme von 2 oder 3 übereinander gezogenen Faserpelzen nicht zu Bett geht. Nee, man schwitzt schon unter einfachem Betttuch im T-Shirt. In der Nacht stören keine Fischer, es gibt wahrscheinlich keinen Fisch mehr in dieser Gegend. Vor 6 Jahren war das anders.

Den Hafenkapitän von Almerimar kennen wir noch. Er ist schon 25 Jahre auf diesem Posten. Man plauscht, unterhält sich, versteht sich. Als er meinen blau angelaufenen, gebrochenen, kleinen Finger sieht, mahnt er uns zum Hospitalbesuch. Der Platz, den er uns und dem Schiff gibt, ist luftig, angenehm, die Qualität der Marineros zwingt beim Anlegen jedoch zu Voraussicht, auch und erst recht den Arbeitsinvaliden.

Am 20.07. hat es dann in Faro doch nicht so geklappt. Das Zuwasserlassen, ok, alle Ventile und Schlauchverbindungen, die getrennt wurden, sind dicht, auch die neue Wellenabdichtung. Aber, der Verstell-Propeller war ja in Hamburg zur Wartung und ich hab noch gesagt, laßt die Finger von der Propellersteigung. Das hat mich in Martinique, Karibik, mehrere Tauchgänge gekostet, um die richtige Steigung zu finden. Ich musste damals immer wieder den Propeller unter Wasser abbauen, um die richtige Steigung per Versuch aus zu probieren. Nein, sie haben natürlich nicht die Finger von der Steigung gelassen, sie haben sie verstellt, das heißt, das Schiff musste wieder aus dem Wasser. Ein Drama!! Beim Rausziehen brach  natürlich wieder die Antriebswelle des Travelllifts. Gott sei Dank war in dem Augenblick die Schraube gerade aus dem Wasser. Dieselbe wurde, bis zum Bauch im Wasser stehend, ausgebaut, zerlegt, die neue Steigung eingestellt und wieder eingebaut. Zu Wasser ging es dann wieder mit der defekten Antriebswelle und ohne das schwere Schiff auch wieder zurück. Na ja, mit den letzten Zentimetern des abfließenden Wassers haben wir es dann bis zum tieferen Wasser der Faro- Lagune gerade noch geschafft. In dem engen Lagunenfahrwasser kam dann der nächste Alarm. Motorkühlwasser zu heiß! Der Wind hatte nur 4 kt, kam aber aus brauchbarer Richtung, also schnell die Genua raus gezogen, den Anker für den Notfall klar gemacht. Maria hält das Schiff irgendwie in der Kanalmitte und ich entlüfte erstmal das Kühlwassersystem. Weil das Wasser kocht, tun das meine Finger auch nach kurzer Zeit, gut, dass der gemeine Seemann relativ schmerzfrei ist, wenn die eiskalte Cola hinterher mit ausreichenden Mengen feinsten, ebenfalls eiskalten  Rums verfeinert wird.

Cartagena kennen wir schon und das, was wir noch nicht kennen, sehen wir uns an, wenn das Schiff hier liegt. Granada liegt auf dem Weg nach Faro und hat uns schon  2004 sehr gut gefallen. Unser Hotel liegt nicht weit, gerade 10 Fuß-Minuten von der Altstadt entfernt. Das Fußballspiel Deutschland-Uruguay um den 3.Platz sowie Formel1 und das WM-Endspiel können wir locker in das Sightseeing-Programm einbauen. Public-Viewing gibts in der Hotel-Cafeteria mit Wein und Tappas.

Granada

 

Granada, Alhambra

Granada

Granada ist so ein Bisschen arabisches Wien, sehr sympathisch, leider wegen der Arbeiten am Schiff auf 2 Tage zeitbegrenzt.

Für die 7 Arbeitstage auf dem Schiff haben wir uns, um das Urlaubsfeeling nicht ganz untergehen zu lassen, in einem Golf- und Wellnesshotel in der Nähe der Werft einquartiert. Golf und Wellness entfällt, der Swimmingpool einmal benutzt, aber man kann doch, wenn man dann um 07.00 oder 08.00 abends nach Haus kommt, bei Bier und Gazpacho abschalten, den Abend genießen. Der luftgetrocknete Schinken, den wir unterwegs gekauft haben, hebt den Genuss, der Knochen, der übrig bleibt, hebt den des Marina-Wachhundes.

Unsere Reise wollte eigentlich nicht so richtig losgehen. Kurz vor dem Start ruft mich AIS an, das sind die Leute, die für den Flugplan zuständig sind, Murcia, unser Flugziel, ist halb militärisch und die Kommissköppe, die spanischen, nehmen sich wichtig. Mindestens 24 Stden brauchen sie, um ja oder nein zu sagen. Nun könnten wir ja als Rentner unsere Reise einfach um 24 Stden verschieben, aber der Altersstarsinn eines Rentners verschiebt da lieber das Flugziel. Alicante, 100 km nördlich, wir waren da schon mal vor 33 Jahren mit unserer C172, braucht einen neuen Flugplan, ist per Telefon schnell erledigt, einen Agenten für den Abstellplatz und einen neuen Autovermieter was auch per Handy abgehakt wird. Also wieder rein in den Flieger und zum Startpunkt gerollt. Los geht es trotzdem nicht, weil Radar unseren neuen Flugplan nicht hat. Zurück zum Turm und AIS angerufen. Der Flugplan liegt vor, aber Radar hat ihn nicht. Dieser Flugplan verfällt also auch, weil der Slot abläuft, ein neuer wird dann nach mehreren Telefonaten und weiteren 45 Min. von allen Seiten akzeptiert, wir dürfen nun doch noch los. Mensch, was war das früher ohne Computer doch einfach.