Archiv für 04.2003
Mittwoch, 30.April 03
Mittagsposition: 38°24´88 N , 28°44´18 W
noch 16 sm bis Horta
Die Nacht von Montag auf Dienstag ist die reine Wiederholung der Nacht davor.
Um 23.00 übergibt Peter die Wache mit den Worten ” man könnte vielleicht ausreffen, aber… “. Ich nach oben, na klar kann man, lass sehen die Tücher.
Die sind keine 2min draußen, da haut es uns aus dem Faserpelz. Böen von 35kt bietet uns Rasmus an. Los die Schot und nichts wie rein wieder damit.
Der Spuk dauert so um die 10min, dann kommt wieder die Frage ” wir könnten ja, aber… “. Das Segel muss wieder raus, klar, aber jetzt in kleinen Dosen. Drei Stden immer auf Kiwif, immer sprungbereit, wie unser Kater Leon vor dem Mauseloch. Das schlaucht, Mann.
Die Temperaturen hier in der Nacht so um 8°C sind auch nicht das, was wir uns vorgestellt haben. Wir sind auf nordafrikanischen Breiten, in Tunesien bekommt man einen Sonnenbrand, wisst ihr das denn hier nicht? Im Schiff hat’s Temperaturen so um die 14°C. Wir gehen im Pullover und Faserpelzsocken ins Bett.
Der Dienstag ist dafür wieder Spitze. Rauschefahrt bei 17kt raumen Wind und direkter Kurs auf Horta bringen mal wieder ein gutes Etmal. Die Götter haben ein Einsehen.
Geschrieben von: Ernst am 30.04.2003
Dienstag, 29.April 03
Mittagsposition: 36°22´64 N 030°16´80 W
noch 151 sm bis Horta.
Der Motor läuft von Sonntag Mittag bis Mitternacht durch. Wir sind wegen der hohen kabbeligen Wellen nicht ganz auf Kurs, immer ein bisschen zu weit östlich, Richtung Gibraltar, aber immerhin. Ein paar mal versuchen wir es ohne Maschine, aber dann dümpeln wir so mit 2,5kt dahin, der Windpilot macht nicht mit, weil kein Ruderdruck da ist, heftiges Raddrehen geht los, nix für müde Krieger. Aber auch unter Motor muss von Hand gesteuert werden, weil der Autopilot im Himmel ist.
Auf Klo gehen is nicht, solange der Kollege pennt, heißt es Fitnesstraining für die Arschmuskulatur. Immer hübsch zusammenbeißen, die lieben kleinen Bäckchen, wissenschaftlich auch Arschbackenpressur genannt.
Geschrieben von: Ernst am 29.04.2003
Montag, 28.April 03
Mittagsposition: 34°25´35 N, 31°27´26 W
noch 281 sm bis Horta
Ihr seht es ja schon oben, wir schwanken nicht mehr, jedenfalls nicht im Geiste. Nach allen Wetterinformationen, die wir hier haben, müsste Horta möglich sein. Also sind wir jetzt dazu wild entschlossen, weil ja auch Nina und Peters hoch verehrte Kundschaft warten. Dass die so wild auf Bohren sind. Mein Zahnarzt könnte ruhig noch mal Kurs auf die Kapverden nehmen.
Also seit 08.00 auf Pos.: 33° Nord und 33.3° West sind wir wieder voll gegen an. Um 11.00 schläft der Wind wieder ein, lässt aber die grobe See zurück. Ich dachte, so arbeitet nur Peter ! Das schreib ich jetzt aber nur, weil eben der Computer ausgegangen ist und mit ihm der fertige ungespeicherte Bericht. Das macht bösartig. Jetzt muss ich anstelle schlafen zu gehen, mir alles noch mal wieder neu ausdenken. Es hilft hoffentlich das Anstaltsgebinde Cognac im Tee. Wie gesagt, schläft also der Wind ein und wir müssen mit dem Dieselwind weiterfahren. Nee, nicht Richtung Horta, da kommt die Welle ja schon her. Mit den Kameraden ist nicht zu spaßen – siehe Kapitel ” Nereiden “.
Geschrieben von: Ernst am 28.04.2003
Sonntag, 27.April 03
Mittagsposition: 32°07´36 N , 033°18´85 W
noch ? sm bis ?
Wir schwanken noch hin und her und das nicht nur körperlich, sondern auch im Geiste. Wir wissen nämlich nicht so recht, was wolle. Aber machen wir mal der Reihe nach.
Geschrieben von: Ernst am 27.04.2003
Samstag, 26.April 03
Mittagsposition: 32°53´18 N , 35°34´70 W
noch 478 sm bis Horta ???
Wellenhaut bekommt man eigentlich nur beim Baden in der Badewanne, oder wenn man mit dem Mofa nach Hamilton, Bermuda, fährt. Hier haben wir sie überall, die Wellenhaut, wegen der ewig nassen Klamotten. Dazu machst du den ganzen Tag nichts anderes als aus- und einreffen oder bei Windstille den Motor an und steuern.
Draußen immer nur das gleiche Bild. Wellenwände, da kann man 2 Stück 30-Tonner hinter verstecken, nur könnte man sie nicht so schnell rangieren, wie sich die Richtung ändert. Da wirst du hin und hergeworfen und kannst nichts ändern. Seit 5 Tagen nun schon. Labile Menschen hier an Bord hätten das Schiff schon freiwillig leichter gemacht. So geht es die ganze Nacht. Eingelagerte Gewitter und ein paar ausgeschüttete Badewannen voll Regen würzen das Ganze. Am Freitag morgen, unsere Augen haben sich schon ganz in den Kopf zurückgezogen, hohläugig nennt das wohl der gebildete Mensch, kommt mal wieder ein brauchbarer Wind. Sogar für dahin, wohin wir wollen.
Geschrieben von: Ernst am 26.04.2003
Freitag, 25.April 03
Mittagsposition: 32°03′76 N 037°57′52 W
noch 599 sm bis Horta?
Ja, nach Horta führt sicherlich irgendein Weg. Wir haben ihn nur noch nicht so richtig ausgemacht. Es steht überall so ein schwarzes Monster im Weg und pustet uns mächtig ins Gesicht. Ab und zu schielen wir schon auf die Westwindautobahn, nur 1° südlicher mit Direktanschluß Madeira, Gibraltar. Wenn das hier weiter so geht, ist es nach Madeira fast dichter als nach Horta und schön unter Spi zu erreichen. Noch arbeiten wir an Horta.
Bernd und Susanne, Euer Daniel könnte hier das Drehbuch seines Lebens schreiben. Drehende Winde, drehende Schiffe – in Hoch-, Längs- und Querachse versteht sich -, solche Kunstflugfiguren schaffst du nicht, durchgedrehte Typen, das wäre echt der richtige Dreh. Den Filmtitel hätt’ ich schon, ” Starker Dreh in Sturmtiefflaute ” oder so ähnlich. Von hinten werden wir immer noch von ANA gedeckt, wie weiland der Berti Voigts das so gut konnte. Ja, das konnte er !
Geschrieben von: Ernst am 25.04.2003
