Mittagsposition: 38°24´88 N , 28°44´18 W
noch 16 sm bis Horta
Die Nacht von Montag auf Dienstag ist die reine Wiederholung der Nacht davor.
Um 23.00 übergibt Peter die Wache mit den Worten ” man könnte vielleicht ausreffen, aber… “. Ich nach oben, na klar kann man, lass sehen die Tücher.
Die sind keine 2min draußen, da haut es uns aus dem Faserpelz. Böen von 35kt bietet uns Rasmus an. Los die Schot und nichts wie rein wieder damit.
Der Spuk dauert so um die 10min, dann kommt wieder die Frage ” wir könnten ja, aber… “. Das Segel muss wieder raus, klar, aber jetzt in kleinen Dosen. Drei Stden immer auf Kiwif, immer sprungbereit, wie unser Kater Leon vor dem Mauseloch. Das schlaucht, Mann.
Die Temperaturen hier in der Nacht so um 8°C sind auch nicht das, was wir uns vorgestellt haben. Wir sind auf nordafrikanischen Breiten, in Tunesien bekommt man einen Sonnenbrand, wisst ihr das denn hier nicht? Im Schiff hat’s Temperaturen so um die 14°C. Wir gehen im Pullover und Faserpelzsocken ins Bett.
Der Dienstag ist dafür wieder Spitze. Rauschefahrt bei 17kt raumen Wind und direkter Kurs auf Horta bringen mal wieder ein gutes Etmal. Die Götter haben ein Einsehen.
Apropos Götter. Mitte der 90iger Jahre ruft ein Freund von mir an, sein Flugzeug ist kaputt, ob ich nicht mal eben die Herrn Beckenbauer und Rummenigge in München abholen könnte, in Herzogenaurach würden dann noch Uwe Seeler, Müller und einer von der ZDF-Sportschau dazu steigen. Sie müssten in die Eifel, weil da zum Firmenjubiläum die Uwe-Seelermannschaft gegen irgendeine Auswahl spielen sollte.
Ok, ich machs. Zum angegebenen Zeitpunkt kein Beckenbauer und natürlich auch kein Rummenigge zu sehen. Man hatte damals schon Slot-Zeiten, feste Zeitfenster, in denen man abzufliegen hatte. Mit ner Stunde Verspätung kommen die beiden dann angelatscht. Auf gehts Buam. Nichts geht auf Herr Beckenbauer, wir müssen jetzt erst mal einen Slot besorgen, das wird jetzt erst mal eine Zeitlang dauern. Die Schadenfreude hab ich versteckt.
Wer soagst dann sowos.
Ein kleiner Gott vom Luftfahrtsamt, Herr Beckenbauer. Gems amal dös Telefon. Jetzt bin ich aber mal gespannt. Der Schreibtisch am anderen Ende hat mich eben noch am langen Arm verhungern lassen. Der Beckenbauer sagt ein paar Sätze und gibt mir den Hörer. Mann, der ist ja ganz aufgelöst am anderen Ende, ich könnte natürlich sofort und eigentlich jederzeit … ist das Derselbe von eben? Dem Namen nach ja. So geht das, Leute.
Seitdem melde ich mich immer, wenn ich was in Bayern haben will, mit Beckenbauer. Ich weiß nicht genau wieso, aber bei mir funktioniert so was nicht.
Als wir los fliegen meine ich zu sehen, wie die gesamte Towerbesatzung strammsteht und alle Flugzeuge weit um uns herum führt. Mach mir bloß keine Schramme an den Beckenbauer. Seine Hoheit erhebt sich in den königsblauen Himmel. Macht man so was für einen Irdischen? Nee sag ich, das sind Götter, und ich hab mal einen von nah gesehen. In Herzogenaurach steigt dann uns Uwe und Co dazu. Uwe muss zu mir nach vorn auf den Copilotensitz und erzählt von der Uwe Seeler-Elf und dass sie jetzt gegen eine Sprudelsponsor-Mannschaft spielen und ich erzähl ihm, wie Maria und Schwiegervater Paul im Volksparkstadion immer geweint haben, wenn der HSV verloren hat, ist ja schon mal vorgekommen. Ist ein ganz netter, der Uwe und eher norddeutsch-irdisch, so wie Du und ich.
Die ganze Nacht Rauschefahrt, nie unter 7kt oft über 8kt. Die 30kt Wind, die Maria vorhergesagt hat, kommen von hinten und schieben mächtig. Obgleich es nass – Regen – und arschkalt ist, wir merken’s nicht, ignorieren es einfach. Merry Mary rennt wie’s Lottchen. Ist es der Stallgeruch? Am Morgen ca. 50sm dann die ersten Fischerboote. Wieso rot und weißes Licht, fragt Peter. Keine Signallampen, das sind Herdfeuer und Kombüsenlicht. Die letzten Tage haben uns oft Delphine besucht. Auch heute wieder. Sie sind größer, dunkelbraun mit hellbraunem Bauch. Ich meine, sie piepen mir immer was zu, wenn ich ihnen vorne mit nassen Beinen zusehe.
Um 11.00 tauchen die Inseln im Regen auf. Landfall nach 18 Seetagen.
