Archiv für 08.2003
Sonntag, 31.August 03
Das Fieber ist nach 10 Stunden Schlaf so gut wie weg, die Kulturlust durch Blasenfüße leicht gedämpft, trotzdem. Wir teilen uns die Rundführerin mit einer italienischen Familie.
Können Italiener so ruhig und sympathisch sein? Wir können es nicht glauben und halten sie deshalb ne Zeitlang für Spanier.
In Sevilla ist das, was wir in der Alhambra gesehen haben, in der Stadt verteilt. Neben Kirchen und wunderschönen Gebäuden gibt es auch hier eine Palastanlage, die zum Teil als Sommerresidenz für den jetzigen König von Spanien dient. Es ist also nicht alles zu besichtigen. Vier Stunden Fußmarsch durch die Stadt vermitteln auch so einen ersten erlebnisreichen Eindruck. Wir meinen, auch diese Stadt sollte man unbedingt einmal gesehen haben.
Nach dem Rundgang erholen wir uns in der Innenstadt bei Octopus – Salat, Sardinen in Öl und dem was man dazu trinkt. Die drittgrößte Kathedrale der Welt und zwei Zigeunerinnen davor warten zum Abschluss noch auf uns. Das, was sie an Reichtum in unseren Händen lesen können, steht ihrer Meinung nach im krassen Widerspruch zu dem, was sie dafür bekommen. Weil sie aber den Einfluss von Herrn Eichel auf besagten Reichtum in der Hand nicht ausmachen können und wir auch kein Münzgeld mehr haben, bleibt es bei dem kleineren Betrag.
Die Kathedrale ist riesig, die kurze Teilnahme an einer Messe schont die Füße. Ein Taxi bringt uns zurück ins Hotel und zum Auto. Wir haben es nur diese drei Tage, müssen es also morgen früh wieder abgeben und wollen noch Cadiz sehen.
Cadiz liegt auf dem Weg nach Gibraltar. Das, was man in Cadiz sehen kann, verblasst nach Sevilla und Granada. Dafür ist der Weg durch das Land toll. Zwischen Almeria und Granada fährt man durch die Sierra Nevada, von Granada nach Sevilla durch riesige Olivenbaum-Plantagen, soweit das Auge reicht nur Olivenbäume in Reih und Glied, 200km lang. Von Cadiz nach Gibraltar dann zig Hektar große Viehweiden mit den Longhorns drauf. Mächtige Riesenviecher, gar nicht mit der germanischen Kuh zu vergleichen. Aus so einem kannste drei Kühe machen.
Geschrieben von: Ernst am 31.08.2003
Samstag, 30.August 03
Die Nacht ist zu kurz. Wir haben seit den Azoren immer noch nicht richtig ausgeschlafen.
Die Tour beginnt um 08:30 und ich hab mit Durchfall zu kämpfen. Wahrscheinlich war zu viel Curry im indischen Currygericht nach unserer Ankunft in Gibraltar, oder war Lamm und Chicken nicht Lamm und Chicken? Egal, jetzt grummelt’s im Magen wie beim spanischen Bürgerkrieg. Keiner weiß so richtig, wo’s längs geht. Keine Fliegen im Bauch, eher der weiße Hai.
Trotzdem, auf geht’s Buam, wir sind nicht so oft in Granada. Beim Frühstück sehen wir eine neue Frühstücksvariante. Es kommt ein Einheimischer rein, bekommt Toast und einen Kaffee. Dazu stellt der Kellner Olivenöl. Der Typ schüttet sich also das Olivenöl über den Toast und streut danach Zucker darüber. Isst er das dann auch? Ja, natürlich. Wir fragen beim Kellner nach, ob es sich tatsächlich um Olivenöl und Zucker handelt. Welche Frage. Wir sehen das auch später öfter und nehmen uns fest vor, das auch mal zu probieren.
Geschrieben von: Ernst am 30.08.2003
Freitag, 29.August 03
Ralf hat uns mal gezeigt, wie es geht, ein Auto zu mieten. Woher weiß er das alles? Na, da fragen wir mal nicht weiter nach, ich geh da einfach bei ihm noch mal in die Lehre. Wir haben jedenfalls Freitags morgens um 10:00 ein Auto. Hyundai, klein, wenig Pferde, rückenunfreundlich, meint Maria. Na, wir wollen ja nur erstmal sehen, wo das Schiff überwintern soll. Für die paar Kilometer wird’s schon gehen. Ehe wir los kommen, ist es sowieso schon 12:00. Also nur ein paar Häfen ansehen und dann zurück. Dementsprechend bleibt das Schiff offen, sozusagen pierkneipenausflugsmässig.
Das sollte sich anders gestalten.
Marina für Marina, die wir abklappern, haben keinen Platz, sind aber auch so touri-rummelig, das man da gar nicht sein möchte. Das erste, was einigermaßen in Ordnung ist, ist Puerto del Este. Der Preis ist bedeutend und Platz haben sie wie die anderen Marinas auch nicht. Höchsten für eine Nacht an der Tank-Pier. Es ist wirklich verrückt, die Schiffe hier werden nur zum Übernachten gebraucht.
Man sieht auch niemanden segeln. Dafür, dass so viele Schiffe im Hafen liegen, müsste doch auch draußen auf dem Meer mehr los sein. Gott sei Dank ist da Ruhe.
Abends dann um 18:00 etwa, finden wir einen Platz in Almerimar. Eine Riesenmarina, nicht allzu viel Schickimicki, etwas abseits der normalen Touri-Routen aber mit allem Notwendigem ausgerüstet. Der Typ an der Rezeption spricht gebrochen Deutsch – so würde ich gern Spanisch sprechen können – und macht uns Hoffnung auf einen guten Preis. Kommt man erst mal her. Das hätten wir also. Nach Haus ( Gibraltar ) zu fahren macht keinen großen Sinn. Wir sind schon zu weit weg und der Weg an der Küste war nicht wirklich komfortabel. 350 km Küstenstrasse wieder zurück? Am Abend und in der Nacht?
Nach kurzem Kriegsrat also eher Kurs auf Granada. Die 250km Autobahn scheinen easier zu wuppen. Was uns an Hotels oder so erwartet wissen wir nicht, den Weg kennen wir auch nicht so genau, das Schiff ist sperrangelweit offen. Der Weg ist das Ziel, nichts wie druff.
Eine schöne Fahrt durch die Sierra Nevada in der untergehenden Sonne gibt unserer Entscheidung recht. Das Auto hat 100 PS zu wenig, nur im Windschatten eines Kastenautos schaffen wir im 3. Gang knapp 90km/h die Berge hoch. Die Sitze machen Maria zu schaffen, sie zieht Ralfs Sekretärinnen-Qualitäten in Frage. Endlich, 21:30 etwa, erreichen wir Granada. Schon beim Reinfahren sehen wir die Reklame vom Hotel Central mit 4 Sternen. Ist das nicht zu teuer? Egal, wir haben uns das heute verdient. Ich geh mit meinen überlangen Bermudas und dem durchgeschwitztem Polo mal rein, um die Lage zu peilen. Das Doppelzimmer hat den Preis für Hamburgs Serviceingenieure.
Reservieren Sie bitte und wo kann man hier ne Hose und ein Hemd, evtl. noch ne Zahnbürste kaufen? Gleich um die Ecke, aber die haben nur noch 20min auf. Wir also los und es hat für alles gereicht.
Wir können in alten T-Shirts schlafen und auch die Zähne putzen. Obgleich wir jetzt richtig müde sind, überwiegt der Hunger. Weit wollen wir nicht gehen. Dieses 4-Sterne-Hotel verlangt für ein 4-Gänge-Menue 24,- Euro, einschließlich zwei Flaschen Wein, edlem Sherry und Kaffee. Da kommt McDonalds nicht mit. Geschmeckt hat es vorzüglich, Gaspacio, Pilze, Gambas und Nudeln, Steinbutt, Nachtisch, jede Menge Wein – sie wollten noch ne dritte Flasche aufmachen – und es standen immer 2 Kellner hinter dem Tisch. Dass es so was in Europa noch gibt.
Der Mann an der Rezeption bucht noch für unseren nächsten Tag sechs Stunden Alhambra-Tour und wir können beruhigt schlafen gehen.
Mehr kann man nicht an einem Tag erreichen.
Geschrieben von: Ernst am 29.08.2003
Donnerstag, 28.August 03
in Gibraltar !
Gestern hat sich tagsüber windmässig doch noch was getan. Wir sind gut vorangekommen und so hat es zum Schluss dann doch mit der Tiede super geklappt. Auf die Minute genau getimed. Aber erstmal der Reihe nach.
Weil wir noch viel Frischwasser haben, darf geduscht werden, einschließlich Haare waschen, der komplette Service. Sonst Hafenbücher, Tiedenpläne, Karten studieren, e-mails hin und her, Bücher lesen, Staupläne prüfen, Elektrik prüfen, kochen, etc. Wir tauschen die Wachen, so dass ich diesmal nach dem Abendbrot von 20:00 – 24:00 schlafen gehe, um dann, wenn die Strasse enger wird, wache zu sein. Maria lässt mich sogar bis 01:30 schlafen. So kann ich bis Gibraltar durchmachen. Um 02:00 sind wir südlich Cadiz und um 04:00 dem Verkehrstrennungsgebiet sehr nahe.
Wir müssten auf die andere Straßenseite. Ein zunächst sehr kleiner Lichtpunkt voraus ist ein Entgegenkommer. Wollen wir rüber oder noch auf dem Bürgersteig bleiben. Da spielen ein Haufen Fischerboote wie früher wir Kinder Kippel-Kappel. Die sind im Weg, also rüber. 3sm müssen doch in der Zeit zu machen sein, bis er da ist. Denkste, der wird mächtig schnell größer und ist direkt auf Kollisionskurs, also nix wie weg und mit den Fischerslüt versteckdich spielen. Hier direkt am Trafelgar Cap heisst es uffpasse, da hat schon der Nelson die schwarzen Essensmarken gezogen. Nachdem das dunkle Gebirge von Schiff durch ist, klappt der nächste Versuch, auf die andere Seite zu kommen. Dafür überholt uns jetzt so ein Riesenklopper von Tanker auf der richtigen Seite. In der tiefschwarzen Nacht ist alles nur schemenhaft zu erkennen. Gott sei Dank kein Nebel.
Geschrieben von: Ernst am 28.08.2003
Mittwoch, 27.August 03
Pos: 36°25,24 N 007°59,62 W noch 117sm bis Gibraltar.
Ein herrliches Segelwetter mit raumen Winden so um 11-18kt.
Nur im Radio hört man so Schmuddelsachen aus Hamburg. Dabei sollte man es doch ganz positiv sehen, wenn sich die Politiker lieb haben. Man stell sich das doch mal vor, der Struck ginge dem Finanz-Hans wegen ein paar Milliarden mehr im Wehretat an den Familienschmuck, naja, wegen der ewigen Pfeife sollte er dann doch wohl lieber einen schmucken Marine-Admiral – Vergnügungsoffizier für Sondereinsätze so zu sagen – schicken, oder der Seehofer macht wegen der allgemeinen Gesundheit ein bisl an der Ulla rum und kriecht dann zum Report unter Angelas Decke. Dafür stünde ihm dann allerdings extra Ministerialvergütung zu. Oder der Gerhard mit dem Edmund, gegen so eine echte Männerfreundschaft hätte die Angela doch nie eine Chance. Sieht denn keiner die Möglichkeiten??? Flower-Power im Plenarsaal unterm Bundesadler. Wenigstens darin hätten doch die alt-60iger Joschka und Gerhard jede Menge Erfahrung, oder haben sie das auch vergessen?
Geschrieben von: Ernst am 27.08.2003
Dienstag, 26.August 03
Pos: 36°26,87 N 010°27,12 W noch 258sm bis Gibraltar
Leute, ihr wundert euch wohl, dass keine Berichte kommen. Arbeit geht vor. In der Urlaubszeit ist auch MLR dünn besetzt. Wenn wieder Zeit ist, wird alles nachgeholt. Solange müssen die Berichte im Posteingang schmoren. Fenja meint, dass es die Menschheit auch mal ohne Berichte schaffen muss. Recht hat sie.
Weil die Sonne nicht so besonders heizt, haben wir gestern das Bimini abgebaut und die Bergfestdrinks nachgeholt. Was sein muss, muss sein. Maria wird ihre Flaschenpost los, die wohl einen ähnlichen Weg wie die Wasserschildkröten nehmen wird. Irgendein karibischer Neger wird sie schon finden. Ab und zu gibt es jetzt Schiffsverkehr auf der Nord-Süd Route. Europa-Afrika und zurück.
In der Nacht kommt so ein Trümmer von ganz klein, nach 25min ganz groß mit stehender Peilung auf uns zu. Wir machen alle Lichter an und entsichern die Signalpistole. Pennt der? Löst der Kreuzworträtsel wie die österreichische Mama seinerzeit, oder liest er einen Roman über Käptn. Hornblower? Träumt er etwa nur von der netten, drallen Schwarzen aus dem letzten Hafen? Bis auf das letzte kennt man das ja alles selbst aus der eigenen Seefahrtzeit. Der hier zeigt uns auf unserer Steuerbordseite sein rotes Licht. Das ist immer schwer von Übel, wenn auch noch die beiden Dampferlampen nicht weit auseinander stehen. Erst wenige min vor unserem Treffpunkt wechselt die Position dieser beiden Lichter und langsam wird aus rot grün. Uff, das war eng. Man kann sich wieder entspannen.
Geschrieben von: Ernst am 26.08.2003
