Abholer Rüdi ist heute morgen mit dem Bus losgefahren. Er hat so um die 1500km vor der Stossstange, das wird noch was dauern. Wir schlafen deshalb länger und Maria geht es wesentlich besser danach. Wir könnten also noch was für die Bildung tun. Auf nach Jerez. Sherry ist des Seemanns Zwischenmahlzeit, wir müssen also noch mehr darüber erfahren.
Die Schnellstrasse durch die Berge ist Dank europäischer Gelder im Bau. Das heißt für uns, 80km Behelfswege hinter Baufahrzeugen, überall Überholverbot. Gott sei Dank sind die Schilder vom Staub bedeckt, gut zu ignorieren, so dass wir trotz allem relativ schnell durchkommen. Nach 2 Stunden sind wir da, finden irgendwo einen Parkplatz und ein Informations-Büro. Das Mädchen spricht ein little english und weiß, wo Sherry gemacht und verkostet wird. Um 14:00, also in 10 min bei Gonzales Byass gibt es eine Führung in englischer Sprache. Die paar cm auf dem Stadtplan täuschen, gerade weil wir ja schon einige Besichtigungsmeilen zu Fuß im Kielwasser haben. Für deutsche Verhältnisse sind wir auch unter Berücksichtigung des akademischen Viertels zu spät, die spanischen Verhältnisse erlauben noch 10 min Pause für das Gehwerk.
Die Besichtigung beginnt mit einer Bimmelbahnfahrt. Maria findet es blöd, meine Füße finden es toll, denn der darauf folgende Fußmarsch bildet Blasen und Sherry-Wissen gleichmäßig. Grob werden die natürlich gegährten Likör-Weine aus der weißen Palominotraube in zwei Klassen eingeteilt: Die Finos von heller Farbe und die Olorosos in Hellbraun bis Dunkelbraun. Bei den Finos, so hören wir bildet sich eine Florschicht von den sich an der Oberfläche entwickelnden Mikroorganismen. Diese Schicht schützt den Wein vor weiterer Oxydation, während bei den Olorosos keine Florschicht entsteht und die physikalische Alterung durch Oxydation erfolgt. Ausreifen lässt man die Sherrys in Fässern aus amerikanischer Roteiche nach dem Soleras-System, d.h. um immer gleiche Qualität zu erreichen, kommen die jungen Weine in die oberen der hochgestapelten Fässer und werden dann nach und nach mit den älteren Weinen der unteren Fässer gemischt. Die Flaschenabfüllung erfolgt aus den unteren Fässern aber immer nur bis zur Hälfte, die dann wieder aus den oberen Fässern nachgefüllt wird. Beide Typen gibt es trocken oder süß – Fino secco oder Fino Pale Cream, bzw. Oloroso trocken oder Oloroso Cream -. Die Bezeichnungen sind je nach Hersteller unterschiedlich, was den Kauf auch nicht gerade einfacher macht.
Also, das war interessant, hat sich gelohnt. Nach ein paar Tapas geht es wieder nach Haus, um das Schiff reisefertig zu machen.
