Archiv für 06.2006
Sonntag, der 18.6.06
Guernsey nach Le Conquet
Der Wind ist die ganze Reise sehr schwach, der Motor bekommt zur Unterstützung den Genaker. Das funktioniert zuerst ohne Baum, dann nur noch mit Baum, dann Segel und Baum auf die andere Seite verschiften, dann das ganze zurück, wieder auf die andere Seite, man hat mit wenig Wind mehr Arbeit, als mit viel Wind.
Ich ruf Jean – unseren Nachbarn dort – an. Er soll mit Luce morgen die erste Fähre nach Ouessant nehmen und mit uns nach Le Conquet fahren. Ja, sagt er, gerne, ich ruf gleich bei Francoise an und bestell die Karten für die Fähre. Trotz seiner 81 Jahre ist er immer noch sehr aktiv und spontan.
23.00 hat der Wind ganz fertig, der Genaker wird schlafen gelegt.
Guy dagegen will noch nicht schlafen, er bekommt deshalb warmes Seezeug und bleibt damit bis 02.00 an Deck. Er mag gern mit dem Plotter und dem Radar spielen.
Es wird wieder eine lange, schlaflose Nacht, aber kurz nach 09.00 sind wir dann in Ouessant und machen an einer Boje fest. Das Gummiboot raus, den Motor dran machen, Probe fahren, wir sind fertig, um Jean und Luce vom Fähranleger abzuholen. Als sie dann da sind, erkennen sie unser Schiff nicht, obgleich sie doch schon ein paar Mal mitgefahren sind. Es liegt daran, dass es jetzt bleu und nicht mehr blanc ist.
Geschrieben von: Ernst am 18.06.2006
Samstag, der 17.6.06
St. Peters Port
Heute will Guy kommen. Er mag kein Schwarzbrot, also hol ich das erste Mal auf dieser Reise Baguette. Gleich 2, es soll ja für morgen früh auch noch was für ihn da sein. Dann zum H.M. Zoll. Muss ich irgend was ausfüllen, wenn ich euch verlasse? Nein, sagt H.M.Customs Officer, wink mir zu, wenn du raus fährst, und gute Reise. Die sind hier wirklich noch im Leben, man sieht keine Wandschmierereien und als Mc-Doof hier einen Laden aufmachen wollte, kam es fast zum Regierungssturz. So was gefällt mir.
Guy kommt mit der Fähre um 13.45. Hochwasser ist um 12.00. Ich muss also vorher aus der Marina raus in den Außenhafen, weil ich sonst nicht mehr über die Barre der Marina-Einfahrt komme.
12.00 verhol ich an einen Schwimmsteg im Außenhafen. Die Marinesoldaten schießen 12 Mal Salut, weil sie mein Anlegemanöver super finden, oder vielleicht auch nur, weil es 12.00 ist.
Geschrieben von: Ernst am 17.06.2006
Freitag, 16. Juni 06
St.Peters Port , Guernsey
Die Sonne scheint schon am Morgen, deshalb wird die praktische, aber verunstaltende Küchenbude abgebaut und im Vorschiff verstaut. So sieht das Schiff gleich nicht mehr wie ein Wohnwagen aus und das Frühstück wird von der Morgensonne beschienen.
Ich hab die Wahl zwischen Radtour und der Fähre zu den Nachbarinseln Sark und Herm. Ein bisschen Bewegung tut dem indischen Lamm gut, deshalb also Radtour. Ich fahr so gut es geht immer an der Küste entlang, auf Straßen, die so eng sind, dass die Autos sich im Schritttempo passieren. Als Fahrradfahrer bist du da ein absoluter Verkehrsblocker. So lange du auf der Straße bist, bestimmst du das Tempo, fährst du dann irgend wo links rein, um die Autos vorbei zu lassen, winken dir die Leute fröhlich zu. Super, die Freundlichkeit der Menschen hier auf der Insel. Ich hab das schon bei der Busfahrt gemerkt. Alle Leute unterhalten sich freundlich, machen ihre Späße, kein Stress. Ruck zuck bist du im Gespräch mit irgend Jemand. Dass die Deutschen hier einmal Besatzer waren, scheint vergessen.
Geschrieben von: Ernst am 16.06.2006
Mittwoch, der 14.6.06
St. Peters Port , Guernsey
Schlechtes Wetter ist angesagt. Man braucht es gar nicht an zu sagen, man sieht und fühlt es so wie so. Die Vorhersage lautet : Rain, occasionally thunderstorm, patches of fog, temperatur max 15°C am Tag !!!. Gut, dass ich meine Küchenbude aufgebaut habe.
Nach dem Frühstück geht es raus in die feindliche Natur. Beim Durchstreifen von St. Peters Port kommt man jedenfalls nicht ins Schwitzen.
Die Stadt hat 17000 Einwohner lese ich, aber einen enormen Verkehr in den engen Strassen. Alle fahren auf der verkehrten Seite und keiner kümmert sich darum. Wenn man über die Strasse will, sieht man immer erst in die falsche Richtung und wird aus der anderen Richtung überfahren. Trotzdem ist es in den weniger befahrenen Strassen recht gemütlich. Mit € kannst du hier nix werden, deshalb tausche ich erstmal ein paar € gegen Shilling und Pound, um meine fish and chips bezahlen zu können.
Geschrieben von: Ernst am 14.06.2006
Dienstag, 13.6.06
Cherbourg
Der Holländer hinter mir, ein Riesenpott von 60 ft, 27m Masthöhe und 2,5 m Tiefgang, eine Wauquiz, kommt aus Hindelopen, direkt neben Stavoren. Er ist mit seiner Frau schon eine Woche früher abgefahren und hat in Brighton Station gemacht. Sein Ziel ist auch Guernsey und dann Brest. Er hat wie ich auch schon nachgerechnet, dass die beste Zeit für die Abfahrt ca.13.00 ist. Bis dahin muss ich noch viel Taubenschiss wegwaschen.
Mittags verhol ich an die Bunkerpier, mach den Brennstofftank wieder voll – man weiß ja nie – und fahr um 13.00 los. Der Holländer ist schon weg, es sind noch 2 andere Schiffe gestartet. So wie es aussieht, alle dasselbe Ziel. Mit der Fock und dem Groß kann ich den Kurs auf das Cap de la Hague gerade halten. In dem Alderney-Kanal dann die krasse Strömung und die Wirbel !! Stromschnellen gleich, das Schiff macht 2,5 Knoten durch das Wasser und 12Knoten über Grund, manchmal muss ich 40° dagegen steuern. In diesen Stromschnellenbereichen lass ich dem Motor mitlaufen. Gut, dass ich nicht gestern Nacht hier durch bin. Dazu regnet es jetzt auch noch, die Sichtweiten gehen zurück auf ca. 1 Meile. Unter der Sprayhood bin ich einigermaßen geschützt. Als ich aus dem letzten Bereich der Strömungsschnellen raus bin hört der Regen auf und es klart langsam auf.
Geschrieben von: Ernst am 13.06.2006
