Auf See, im englischen Kanal Pos. 50°17,328`N , 001°52,901`W
2.Nacht schlaffrei, wie das geht? Im freien Wasser wohl einfacher, hier peilt man, wenn die Müdigkeit ganz doll ist, die Umgebung und wenn die Luft für den Moment rein ist, legst Du Dich für 15 Minuten hin, döst ein bisschen und peilst dann wieder die Lage, usw. , usw.. Na ja, irgendwie geht es.
Die Scheißerei der Taube beginnt zu nerven. Seemann kommst Du an Deck, vergiss das Schwammtuch nicht. Schwammtücher hab ich genug, aber meine Hände sind vom Auswaschen schon ganz verschwollen. Im Taubenschißaufwischen bin ich der Meister. Die Mittagsposition ist südlich der Isle of Wight. Hier sind die Zwangswege der Schifffahrt unterbrochen, es ist Zeit, den Kurs auf die Kanalinseln abzustecken. Die Tide macht den Plänen mal wieder einen dicken Strich durch die Rechnung. Es gibt eine Stelle im englischen Kanal, wo die Strömung am heftigsten und mit Riesenwirbeln auftritt, das ist der Kanal zwischen Alderney und Cap de la Hague. Es treten hier Strömungen von über 10 Knoten auf, und das würde gerade dann passieren, wenn ich da eintreffe. Ich könnte St. Peters Port erst so um 04.00 erreichen. Nee Leute, ich hab Urlaub und der sagt, nimm den Hafen Cherbourg direkt neben dem Cap de la Hague und schlaf dich da erstmal ordentlich aus. Das Angebot ist ok, also wieder Kurswechsel. Es wird auch Zeit, dass die Taube von Bord kommt. Die Schwammtücher gehen aus. Inzwischen verklemmt sich mal wieder das Groß, die elektrische Bilgenpumpe hat den Geist aufgegeben, das Funkgerät bekommt keine GPS-Daten, der Windpilot hat zu geringe Spiele, alles Kleinkram und viel mehr gibt es an Bord auch nicht mehr, was ich noch nicht repariert hab, aber ….. Es ist Zeit für Le Conquet.
In diesem Teil des Kanals schwimmt jede Menge Dreck im Meer, fast wie im Mittelmeer bei Alicante. Was tun sich die Menschen nur an? Um 19.20 laufe ich in den Hafen von Cherbourg ein. Die Taube bekommt noch 2 Scheiben Brot, ich zeig ihr den Kurs zum Münsterland und schick sie los. Wenn sie alles begriffen hat und während des Fluges nichts vergisst, kommt sie an. Wir werden mal nachfragen. Wie schon der Volksmund sagt, lieber eine Stumme im Bett, als eine Taube an Deck, oder so ähnlich.
Cherbourg ist ein Militär-, Fähr- und Industriehafen, nix besonderes. Die Marina am Ende des Hafens ist ok. Es ist gerade noch ein Platz am Ende der Besucherpier frei. Lauter große Schiffe hier. Nach dem Duschen bin ich schnell in der Koje und hole Schlaf nach.
