am Anker in Porto de Abrigo
Zum Schluss wurds dann doch noch spannend. Normalerweise hätten wir ja Vollmond, aber bei geschlossener Wolkendecke ist alles schwarz wie im Tintenfass. Das Radar hat dann auch erst um 21.15 Land sehen können, mit dem Auge wars erst eine ¾ Stunde später möglich. Du musst zuerst um so einen Felsen südöstlich von Porto Santo rum. Schwarz gegen Schwarz ist fast nicht zu erkennen, wenn ein Neger sich die Zähne mit Blendax Zahnweiß geputzt hat, siehst du ihn ja auch nur beim Lachen in der Nacht. Gott sei Dank haben sie dem starken Leuchtfeuer auf der Cima-Insel auch die Zähne tüchtig geputzt und der GPS-Plotter hilft so wie so mit. Ich bieg also um diesen schwarzen Felsen rum, vor mir die vielen Lichter der Stadt, dann so ein bumm, bumm, bumm, ich denk, bist du jetzt aufgelaufen? Nee, Tiefe über 50 m. Ist der Motor so kurz vorm Ziel hin? Nee, schnurrt wie unser Kater Leon zu Hause beim Fresschen. Ich fahr also weiter, Mensch, das ist Techno!!! Sind die denn noch zu retten? An Bord darfst du noch nicht mal leise pfeifen, ohne dass du Gefahr läufst, gleich von Rasmus oder irgendeinem anderen Gott, der was im Meer zu sagen hat, was auf die Fresse zu kriegen. Die hämmern hier ihre 3000 Watt ganz unbekümmert auf See raus. Das ganze Schiff dröhnt mit. Ich hab erstmal mehr Sorgen, die 6 riesigen Tankerbojen nicht zu treffen, also zunächst nach West, bis du die grüne Ansteuerungstonne der Hafeneinfahrt mindestens auf 360° peilst und dann, wenn du die Ankertonnen auf Steuerbord hast, ich hab nur 3 gesehen, dann kannst du auf die Hafeneinfahrt zu fahren.
Am Seglerhafen scheint alles voll zu sein. Es ist nach 1.00 Uhr und es gibt noch einen Platz am Molenkopf der Marina. Er ist ungefähr 4-5 m lang und hoch, so um die 3 m, weil gerade Niedrigwasser ist. Ein Portugiese steht da oben und fragt, ob er helfen könnte. Die Leine da vorn und da hinten um den Poller und wieder zurück? Na klar, kein Problem, noch die Vor- und Achterspring und ich bin fest. 11.August, 01.30 Uhr, nach 7 Tagen, 14 Stunden und 30 Minuten, 1193,8 sm im Kielwasser, Reiseschnitt 6,54 kt. Mit nicht ganz so hohen Wellen hätte man mehr ausreffen, schneller sein können. Hätte, hätte, ich bin auch so zufrieden und saumüde. Trotzdem, ein Manöverschluck und Absacker muss noch sein. Als der gerade seine Reise durch das Suppenrohr antritt, kommen die Engländer, die ihr Schiff um die Ecke festgemacht haben und fragen nach wohin und woher. Na, schnell ist die nächste halbe Stunde rum, ich fier vorsichtshalber noch ein bisschen Leine, obgleich alle sagen, es ist Ebbe im Moment und geh das erste Mal in die Achterkoje zum Schlafen. Das ist eine echte Hafenkoje, auf See nicht zu gebrauchen. Zu groß, du rutscht oder rollst bei achterlichen Winden wie ne Murmel durch die Koje, aber im Hafen, einmalig.
Morgens hat sich das Schiff dann doch noch ein bisschen aufgehängt. Es ging noch weitere 0,7 m nach unten. Gott sei Dank gleich gemerkt, nix passiert. Der Hafenmeister kommt zu Besuch. Zuerst Smalltalk, wohin, woher, dann aber, hier darf eigentlich keiner liegen, außerdem kommt für die nächsten 4 Tage eine Regatta hier an, alle Plätze sind belegt, druckst er rum. Macht nichts, ich geh an den Anker, plums macht es bei ihm, ein netter Kerl.
Verholen an den Anker, Tauchgerät raus, zum Anker, Kiel und Logge prüfen, alles ok, bis auf die Kielfarbe, die bei der Grundberührung in Le Conquet vor Anker abgescheuert wurde und den Kiel an der Stelle rosten lässt. Muss das denn nun sein? Der Anker hat sich tief eingegraben. Ich kann getrost an Land gehen. Muss ich auch, die Behörden warten. Beiboot klar machen, soll ich rudern, oder Motor dran? Der Wind bläst von Land und ich bin immer noch müde. Motor dran!
Die Behörden ist ein Mann und sehr freundlich. Wir sind schnell fertig, was noch? Da drüben sitzt ein hübsches Mädchen im Hafenbüro und will Geld von dir, sagt er. Stimmt, 13 € und noch was kostet der Ankerliegeplatz pro Tag, dafür bekommst du aber einen Schlüssel für das Sanitärgebäude. Ok, auch fertig, in der Marinakneipe noch einen Gin-Tonic, weil ja die Sonne schon weit über Bb-Saling steht, ich fleißig und die Behörden hier hübsch und nett sind und dann wieder zurück zum Böötchen. Das Käsebrötchen mit einem Glas Wein verwässern, Bericht schreiben, aufklaren, etc. Ich will nämlich gleich noch mal an Land und in der Hauptstadt die Lage peilen.
