Porto Abrigo am Anker
Ich hab gestern bei der Busrundfahrt gesehen, dass sich eine Fahrrad-Tour doch lohnen würde. Also raus mit dem Velociped, ab ins Gummiboot mit dir. Beim Runterlassen fällt mir mal wieder die teure Brille aus der Hemdtasche. Das Bedürfnis, gleich wieder hinterher zu springen war groß. Ich bin cool geblieben, hab ein Gewicht an ein Seil gebunden, da wo ungefähr die Brille liegen müsste, hab die Taucherflasche, Brille und Flossen geholt, die Leiter runtergelassen und nach 5 min die Brille wieder an Deck gehabt. Ja, da musst du halt die Profis ranlassen. Jetzt bleibt die Brille aber an der Navi angekettet und für die Landgänge muss die faltbare 5 € Brille reichen!
Es ist heute Morgen noch ein anderer deutscher Segler gekommen. Als ich die Brille gerade wieder an Deck habe, kommt er mit seinem Gummiboot vorbei, um Einzuklarieren. Aber zuerst mal einen kleinen Klönschnak. Er ist auch allein unterwegs, kommt aus Emden, hat bei den Scilly-Inseln Pause gemacht und für ja fast dieselbe Strecke hier her fast 5 Tage mehr gebraucht. Das hab ich ihm lieber nicht gesagt, sein Schiff ist gleich groß. Er hat Sturm gehabt, von hinten, und ist fast ohne Segel schon 4 bis 5 kt gelaufen. Ja, weiß ich, war ich auch drin, und dann hat er Flaute gehabt. Ja, weiß ich, ich auch, aber nach 15 Stunden Volvo-Wind war ich dann hier. Nee, sagt er, dafür gibt er keinen Diesel aus. Wenn ich an das Segel-Geschlacker bei dem hin und her Gedümpel denke! Er ist Rentner und hat jetzt Zeit. Also gut.
Na, ich dann also mit dem Fahrrad los. Porto Santo ist ja nur ca. 15 km lang und 5 km breit. Die Hauptstadt, sagen wir mal der Hauptort, hat nicht all zuviel zu bieten. Hier hat keiner jemals viel Geld investiert. Das Wohnhaus von Columbus gibt es noch. Er war ja mit der Tochter eines Gouverneurs von Porto Santo verheiratet und hat von seinem Schwiegervater all das Kartenmaterial, das ihn zu der Atlantik-Überquerung angeregt hat, bekommen. Es gibt noch eine kleine Kirche und zwei schön angelegte Plätze, aber das ist es dann auch. Man kann mit dem Fahrrad am Strand entlang bis zur Südwestküste fahren und dann halt wieder zurück. Das sind mehr oder weniger sportliche 30 km. Der Hintern tut dann weh und man ist froh, wenn das Klapprad geklappt im Gummiboot liegt. Fazit, Porto Santo ist Badetourismus im niedrigen Preissegment. Nicht unangenehm, denn ein gut eingeschenkter Gin-Tonic in der Hafenbar kostet 3 €. In Camaret kostete dasselbe, nur ein bisschen knapper eingeschenkt, das 5-Fache!
