Der Zubringerflug geht um 10.20 ab Gomera, wir haben bis dort fast eine Stunde Autofahrt mit dem 7-Sitzer Mietwagen, den wir gestern dafür geholt haben. Reise, reise heißt es deshalb um 07.30. Hoch ihr müden Leiber.
Nach Kaffee und belegten Brötchen kommt das Gepäck von Bord, die Wasserlinie ist gleich 20 cm höher, Abfahrt zur geplanten Zeit, Ankunft am Flugplatz zur geplanten Zeit, die an Bord vergessenen Flugtickets verzögern den Abflug nur minimal, die vergessenen Unterhosen und Turnschuhe haben mit dem Abflug überhaupt nichts zu tun, irgendwann sitzen sie im Flieger und ich bin plötzlich allein. Alles war nett und schön, aber man ist eben nie allein. Jetzt aber, ein Gefühl, als ob du aus einer Diskothek direkt in ein Kloster gehst.
Ich sitz im Auto und kann fahren wohin ich will. Kein: “ wann sind wir da, hier mag ich nicht sein, wann fahren wir endlich zurück, ich hab Hunger, etc.„ ich darf das Radio aufdrehen, die Klimaanlage so einstellen , wie ich will, in den Kurven mal so richtig Gas geben, dort anhalten, wo und wie lange ich will, stell dir mal Deutschland ohne Schilder vor, so ein Gefühl, ungefähr.
Jetzt gleich zurück an Bord und die Liste abarbeiten? Nee, mich haben sie gerade in die Freiheit entlassen, also die nächsten Kurven mal ein bisschen schneller nehmen und ab in den Teil von Gomera, wo wir noch nicht waren. Nach Valle Gran Rey. Ich genieße die schnelle Fahrt, wie die Jugend die Coca Cola, merk mir all die Stellen, die ich bei der Rückfahrt fotografieren möchte, nehm auf der Hinfahrt hübsche Ureinwohner von der Straße mit, ich hab ja einen 7-Sitzer und seh mir den Hafen von Vueltas an. Nix für marinagewöhnte Warmduscher, ankern im Westatlantikschwell ist da angesagt. Großes Grundeisen macht da Sinn, lange Kette und stabile, durchgebolzte Poller an Bord.
Wir liegen da in San Sebastian teurer, aber angenehmer.
Auf der Rückfahrt wird eine Bäuerin für Wein und Käse um einen Haufen €uro wohlhabender gemacht, die Natur auf Festplatte gespeichert und irgendwann am frühen Nachmittag bin ich zurück an Bord, um die Liste abzuarbeiten. Ich arbeite mich vom Vorschiff zurück über den Salon, Pantry und Navi, mach Musik auch wenn sie laut ist, hab Käse und Wein ( gerade gekauft! ) noch ohne Reue, jedenfalls ohne jeglichen Kommentar, hab Urlaub.
Lästige Nebensachen wie Mietwagen abgeben und Wäsche aus der Wäscherei abholen, fallen da gar nicht ins Gewicht. Der Genuss überwiegt.
Resteessen wie Spagetti Bolognese, mit hot Curry verfeinert, ist Teil der Arbeitsliste. Danach muss ich erst mal auf die Couch, der Mensch muss ja auch nachdenken.
