Eindrücke des Leon auf der Segeltour von Madeira nach Gran Canaria
Es waren gemischte Gefühle, die ich vor der Fahrt an Bord der Merry Mary im Hafen von Madeira verspürte.
Einerseits fühlte ich mich sicher und wohl auf dem Schiff, bedingt durch die wenigen aber noch gut präsenten Erfahrungen, die ich vor fünf Jahren an Bord der Merry Mary in Kroatien gemacht habe.
Andererseits hatte ich Respekt vor dem offenen und welligen Meer.
Im Hafen erfuhren wir, dass um die Kanarischen Inseln 4-5 Meter hohe Wellen zu erwarten sind. Diese Nachricht schockte mich als Laien nicht wirklich, da ich nicht wusste welche Gefühle dies an Bord hervorrufen wird.
Ich habe schon mal was von einer Seekrankheit gehört, diese jedoch nicht wirklich ernst genommen. Dies war ein Fehler, welcher mir einigen Stunden auf hoher See zum Verhängnis wurde. Durch diese fatale Unterschätzung veränderten sich alle Gefühle gegenüber richtigem Segeln auf offenem Meer im Gegensatz zum „Rumdümpeln“ um die Inseln von Kroatien.
Nach 30 Sekunden an Bord der Merry Mary bei 4 Meter hohen Wellen noch zu stehen, stellte sich mehr als schwierig heraus.
Abgesehen davon, dass das Stehen schwierig bei diesem Wellengang war, überkam einen das Gefühl des Unwohlseins bis hin zur Übelkeit, die sich erst entweder im Liegen auf der eigenen Koje oder an Deck des Schiffes langsam legte.
Eine weitere Unterschätzung war die bekannte Nachtwache, welche sich als abenteuerlich herausstellte. Ich bekam die Nachtwache von 12- 4 Uhr, Tags wie Nachts. Zwischen den Wachen hatte man 8 Stunden Zeit, zu versuchen zu schlafen.
Diese Zeit war eigentlich nicht nötig, da ich meistens nur höchstens 4 Stunden am Stück schlafen konnte.
Essen machen und auf die Toilette gehen riefen bei mir Übelkeit und Unwohlsein hervor.
Alles in Allem habe ich die ganze Fahrt unterschätzt.
Jetzt wo ich darauf zurück schaue war es ein tolles Abenteuer, an welches ich mich bestimmt lange Zeit noch erinnern werde und meinen Kindern davon berichten werde.
Die Nachtwache, das Ausschauhalten, erfüllte mich mit einem Glücksgefühl.
Es war ein toller kurzer Einblick in das Leben eines Seglers.
Ich persönlich müsste dieses Abenteuer trotzdem nicht länger als 2- 4 Tage ertragen und kann es mir z.B. nicht vorstellen, wie Ernst 22 Tage an Bord Tag und Nacht zu sein und nach Amerika zu segeln.
Am Schluss möchte ich Ernst danken für die schöne Zeit und das tolle Abenteuer, was ich mit meinen Brüdern und Ernst erleben durfte.
