Gestern Abend wurde dann doch noch gekocht. Ich hatte mir da schon meine Gedanken gemacht, aber als ich so um 19.00 an Deck will, sehe ich, dass Wolfgang schon die Kartoffeln geschält und aufgesetzt hat. Gut der Mann, er hat dann auch gleich die Bratkartoffeln und den falschen Hasen fertiggemacht, bei der See, alle Achtung. Hat super geschmeckt.
In der Nacht dann wieder alles beim Alten. Mal frischt es ein bisschen auf, die See wird rauer, dann geht es wieder. Wir müssen halt dahin, wo der Wind herkommt, nichts wie gegen an. Nachts um 01.30 sehen wir den ersten Dampfer seit der Abfahrt, um 02.30 geht der Mond unter und es wird finster. Um 03.00 kommen die Lichter von Madeira in Sicht.
Die schöne Madeira hat ihren Keuschheitsgürtel angelegt. Es fängt plötzlich an, wie verrückt zu pusten, kommt mir nicht zu nahe, will sie wohl sagen und Rasmus hilft ihr, so gut er kann. Die ganze Reise hat er das Vorschiff ordentlich geschrubbt, so doll, dass der Ankerwinch die Mütze wegflog. Jetzt gießt er außer dem noch alle naslang Bottiche voll besten Seewassers über Sprayhood und Achterschiff. Wir müssen Tücher wegnehmen, bei 30-35 Knötchen Wind. Dadurch wird es besser für Schiffsleib und Seemanns Seele.
08.00 ist der Wind weg, nur noch so um 5 kt, also direkten Kurs auf Quinta. Wir passieren Funchal und senden die ersten Botschaften nach Hause. Alles ok, wir sind so gut wie da. Es sind ja auch nur noch 8 sm bis zum Ziel. Maria sagt noch, dass es heute noch mal richtig pusten soll, aber da seid ihr ja schon im Hafen. Nix da, ein paar Minuten später haut Bonita da Madeira uns schon wieder ihren Keuschheitsgürtel um die Ohren, dass es nur so kracht. 35-40 kt Wind, genau aus der Richtung wo wir hinwollen, so kurz vorm Ziel !!! Das ist nun wirklich nicht die feine portugiesische Art. Dass der Motor auch noch Ölalarm schlägt, haut den Wellen den Schaum von den Kronen. Eine neue Baustelle !!! Der Ölpeilstab sagt genug Öl vorhanden, Fehlalarm vielleicht? Ausprobieren wollen wir das jetzt nun doch noch nicht.
Mit Minimals-Besegelung, aber flotter Fahrt geht es die nächsten 3 Stunden bis vor die Einfahrt von Quinta do Lorde. Eigentlich Segeln vom Feinsten, wenn man das so mag. Unsere Funkversuche, für Gummiboothilfe beim Anlegen, bleiben unbeantwortet. Unter Segeln reinfahren und anlegen, das macht der Wind, der da aus der Einfahrt kommt, unmöglich. Also Motor trotz Ölwarnung an und rein in die Marina. 5 Minuten später sind wir fest, den Motor schnell abgestellt und der Dampfer fein angebändselt, Probleme haben bis Morgen Zeit.
Manöverschluck, Verpflegung mit Wolfgangs restlichen Bratkartoffeln und neuen falschen Hasen, duschen und das Böötchen entsalzen haben 1.Priorität. Cuba-Libre im Marina-Turm die 2.Priorität. Katja hat heute ihren freien Tag, aber der Marinero Bruno will wegen des Mietwagens mal vorfühlen, das wäre die 3. Priorität.
Für 304 sm gerade Strecke mussten wir am Ende doch nur 347 sm durch das Wasser fahren. 2 Tage, 8 Stunden und 30 Minuten lang. Für immer gegen an ist ein Schnitt von 6.14 kt kein schlechtes Ergebnis. Für Wolfgang wahrscheinlich ein ganz neues.
