Von den Kanaren nach Madeira, Juli 2007 oder Einmal Segeln
Wenn einer eine Reise tut………….
Die Ankunft
Nach zwei wackeligen Landungen, zuerst auf Gran Canaria und nach langweiligen fünf Wartestunden auf Gran Canaria, wartete Ernst schon auf mich mit einem „Vielsagenden Lächeln“ und einem Twingo, um mich nach einer Testfahrt, einem leckeren Fisch in einem netten Restaurant unterwegs und einem Seemannstrunk in einem typischen spanischen Hotel mit fantastischer Aussicht über das Meer und den Hafen, wo am Steg das Boot lag, auf dem ich meine erste Seereise machen durfte, an Bord zu bringen. Von hier oben schien mir das Schiff, mit dem Hintergrund des endlosen Meeres, gar nicht mehr so groß, …aber mich hatte ja keiner gezwungen …. Nur nichts anmerken lassen…
Das Schiff, „MERRY MARY“
Beim „Näher kommen“ sah alles schon wieder ganz anders aus, das Schiff war einfach schön, voll von Technik, super gepflegt und hatte eine wohnliche Einrichtung, wo mich vieles an unseren Wohnwagen erinnerte. Die Unterschiede sollte ich später noch eindrucksvoll und mit nachhaltiger Wirkung zu spüren bekommen. Der Abend wurde mit einem saftigen Seemannstrunk abgeschlossen und ich legte mich in zum ersten Mal in meinem Leben unter Deck in das vorderste Dreieck des Schiffes, todmüde, ich war seit zwei Uhr auf den alten Beinen.
Die Vorbereitung
Ein Tag mit vollem Programm stand vor der Tür, morgen früh sollte es losgehen,….. endlich losgehen. Nach dem Gang zum Bäcker und einem ausgiebigen Frühstück an Bord, fuhren wir in dem schon bekannten Twingo los, um La Gomera zu erkunden, ein gut gepflegtes Haus am Berghang mit wunderschöner Aussicht zu besichtigen, Einkäufe im Supermarkt zu erledigen um Proviant für die nächsten Tage auf See zu haben, Kleber für eine defekte Stelle eines Einbauschrankes auf dem Schiff zu besorgen, den Seewetterbericht für die kommenden drei Tage über das Internet in einem Internetcafe abzufragen, Preisvergleiche für Inmobilien in dem Schaufenster eines Maklers zu machen, das Mietfahrzeug weg zu bringen, die Rechnung für den Liegeplatz zu bezahlen, uns zu duschen und uns nach einer Abendmalzeit an Bord in die Koje zu legen, um am nächsten Morgen um vier Uhr fitt aufstehen zu können, um fünf Uhr sollte es los gehen. Ach ja, was ich noch fast vergessen habe, der heutige Tag sollte scheinbar insbesondere dazu dienen mich „seefest“ zu machen, Ernst hat keine Mühen gescheut um mir die Schwankungen eines Schiff so gut wie nur eben möglich zu demonstrieren, er hat wirklich keine Kurve am heutigen Tage ausgelassen um mir alle möglichen Schiffsbewegungen zu zeigen, nach mehr als ca. 200 Kurven hatte ich den ersten Test durchstanden. Ganz ehrlich, Ernst hat wirklich nicht meinen Fahrtstil aber Fahren kann er ohne Frage und trotz einer Landsegelfahrt mit übrigens eindrucksvollen Bilder von der Insel (absolut eine Reise wert) muss ich ganz ehrlich sagen, dass ich mich bei ihm sicher fühlte, na ja, vielleicht sonach den ersten fünfzehn Minuten.
Auf nach Madeira
Um vier Uhr standen wir vor der Koje, den Wecker hatte ich nicht gehört oder er war nicht abgelaufen, ist auch egal, „jetzt geht es los“….
4:30 ablegen, 30 Minuten früher als geplant, es sollte Dämmerung sein, ein Streichholz hätte mehr Licht gegeben, Ernst hatte wohl seine eigene Dämmerung im Kopf. Wir legten ab und fuhren in die dunkle Nacht hinein, ein eindrucksvoller Augenblick, Ernst lief auf „Hochtouren“, machte aber, abgesehen von einigen kräftigen Ausdrücken, einen entschlossenen Eindruck, wahrscheinlich hatte er seinen „Seemannsblick“ aufgesetzt..
Einweisung
Ernst hatte mir im Hafen das Schiff gezeigt: Schlafkoje, Toilette, Küche, Kajüte und eine Reihe von Anzeigen wie Tiefenmesser, Kompass, Windmesser, Geschwindigkeitsanzeige usw. Unterwegs erklärte er mir noch die Segel und die vielen Seile, wer soll sich da nur auskennen, wir werden ja sehen, ich lasse alle einfach alles auf mich zu kommen, ein alter Mann ist kein D-Zug mehr und schon lange kein Computer.
Gymnastik an Bord
Es wehte nach meiner Auffassung ganz schön kräftig, 20 bis 30 Knoten und schlagkräftige Wellen schüttelten das Bot durcheinander und auch mich, Ernst tat das richtig weh, ich natürlich nicht, sondern sein Bot, das konnte man an seinem Gesicht sehen, es lag ihm richtig am Herzen,….. ich hatte mich ja freiwillig gemeldet.
Unter Deck war es eine reine Freude, die Behausung erinnerte mich ja an meinen Wohnwagen, aber damit ist auch gleich jeder Vergleich erschlagen., mein Wohnwagen bewegt sich zumindest nicht wenn ich drin bin, an Bord scheint alles in Bewegung zu sein, Die Wände kommen auf einen zu, die Decke scheint sich nach unten zu bewegen und der Boden nimmt fortlaufend neue Formen an. Auf der Toilette muss man ein wahrer Bewegungskünstler werden um Körperteile zu erhaschen die man über ein halbes Jahrhundert problemlos fand. Nach einem Tag und ein paar blauen Flecken lernte ich die richtige Reihenfolge meiner Bewegungen neu zu ordnen: erst das Ziel observieren, dann einen Griff suchen und kräftig zupacken, danach wieder auf die Schiffsbewegung achten und dann in demselben Rhythmus sich bewegen und das ständig wiederholen, bis zum Ziel und wieder zurück.
Wache schieben
Zu zweit an Bord bedeutet wenig Ruhe. Alle drei Stunden wurde gewechselt, wobei meine Wache wenig Inhalt kannte, Ernst hat mit einem Ohr immer mitgewacht, jedes Nebengeräusch riss ihn aus dem Schlaf. In der zweiten Nacht ging es besser, ich durfte sogar an den automatischen Piloten, wenn der ruppige Wind sich mal wieder etwas drehte, um die Geschwindigkeit einigermaßen zu halten. Ein tolles Gefühl, unterwegs auf dem Atlantik, dann am Ruder eines wunderbaren Schiffes zu stehen und über dir der Himmel mit den unzähligen Sternen mit einer Leuchtkraft die ich noch niemals vorher gesehen hatte, ich fühlte mich ziemlich winzig …
Schiff ahoi
Kurz nach Mittarnacht ging die Radaralarmleuchte an, ein Schiff musste in der Nähe sein. Es dauerte noch eine Viertel Stunde, ehe ich die ersten Lichter des Objektes sehen konnte. Es dauerte ziemlich lange bis ich herausfand, dass es ein Schiff war und in welche Richtung es fuhr, nach meiner Einschätzung würde es unseren Weg kreuzen. Aber wir waren schneller, so dass ich Ernst nicht wecken musste.
Land in Sicht
Am Do war ich um 5 Uhr wieder dran, Wache zu schieben. „Land in Sicht“ begrüßte mich Ernst, nach dem ich von ihm geweckt wurde. Herrlich, dieser erste Blick auf das beleuchtete Madeira und das ohne richtige Seekrankheit, dank des Übungsphase mit Ernst und einigen Medikamente die ich von Bekannten bekommen hatte. Aber wir waren noch nicht im Hafen, nach einer Stunde Ruhe (Flache Wellen) ging es vor der Küste noch mal richtig los. Bei einer Windstärke von 40 Koten konnte Ernst seine Segelkünste zeigen, ich war beeindruck, der Motorausfall konnte das auch trüben.
Nachdem das Schiff im Hafen festgemacht und gereinigt war konnten wir uns endlich duschen. Der Hafenmeister hat uns zwar nicht über Funk gehört, aber mit Sicherheit gerochen.
In der Hülle neuer Düfte haben wir den dann den obligatorischen Trunk genossen, ….Saft versteht sich.
Danke
Prost auf die MERRY MARY, Prost auf Ernst und eine unvergessliche Segelfahrt, Prost Gran Canaria und La Gomera
Herzlichem Danke Ernst und Maria !
Bleibt gesund, es möge euch immer gut gehen.
Wolfgang
