Rentner sind undynamisch, ja fast träge, sie sind Ausdruck der Langsamkeit. Wir haben den Mietwagen, aber wir schaffen das Frühstück nicht vor 09.00. Der gemeine Rentner passt nicht so richtig in die Figur des Columbus, obgleich der das ja auch auf seiner 2.ten, 3.ten und 4.ten Fahrt ruhiger angehen ließ. Böse Zungen haben da von Mätressen auf La Gomera und all so was gehört. Die gibt es bei uns nicht, wir sind sozusagen von Haus aus träge. Wir legen den Gang erst um 10.00 ein, den Rest macht dann die Automatik. Die Fahrt geht in den Süden, zuerst nach Castries, der Hauptstadt von St. Lucia. 3 Kreuzfahrtschiffe und deren Inhalt verschandeln das Ursprüngliche, wenns denn überhaupt noch da ist. Es ist ja auch Feiertag, der 30.ste Jahrestag der Unabhängigkeit, was aber auch von den Eingeborenen nicht so recht wahrgenommen wird. Wir können uns nicht so recht ein Bild von der Stadt machen. Der Stadtkern wird, bis auf Kirchen und Bibliothek, von einfachen Holzhäusern dominiert, man bettelt oder versucht seinen Trödel am Arm dem Kreuzfahrttouristen unterzujubeln. Überhaupt, der ganze Norden ist übersiedelt und bis auf die paar stinkreichen, 700m2- Sozialwohnungen, nicht so besonders attraktiv. Das ändert sich, je weiter man in den Süden der Insel kommt. Einfache Holzhäuser und auch die größeren Villen passen hierher. Das Grün der Regenwälder ist überwältigend.
Ein unscheinbarer Weg biegt rechts ab und führt uns in die Marigot Bay, von der unser Hafenhandbuch sagt, dass es eine der schönsten Buchten in der Karibik sein soll. Außerdem wissen wir, dass Hedl, eine frühere Flugschülerin von mir und ihr Mann Werner ein Haus hier in dieser Bucht gebaut haben. Sie hat es mir beschrieben und wir finden es schnell.
Die Bucht ist, wie die Insel hier, stark bewachsen, dichter Regenwald scheint ein Zeichen für viel Regen zu sein. Hinten in der Bucht hat die wohl größte Charterfirma der Welt eine Niederlassung und eine Nobelhotelanlage ist auch vorhanden. Edel sind auch die zwei Wallys, die davor festgemacht haben, pechschwarze, ca. 30m lange Komfortrennsegelboote. Schwarzen Anstrich muss man mögen, aber teuer sind die beiden auf jeden Fall.
Nach der Fischmahlzeit mit Blick auf Hedls Haus fahren wir weiter nach Süden. Ein schwarzer Anhalter muss nebenberuflich den Fremdenführer machen. Wir fahren durch einige wenige Bananenfelder und wundern uns, dass es kein Zuckerrohr gibt, es sind doch Rum-Destillerien hier auf St.Lucia. Die Bananen, sagt unser Reiseführer, essen wir selbst, ein paar geben wir nach England ab, Zuckerrohr für den Rum führen wir ein. Afrikanische Ökonomie, dabei haben sie doch hier einen Nobelpreisträger auf diesem Gebiet. Sicherlich kein Seemann, dem wäre der Rum wichtig. Der Rum von St. Lucia schmeckt gut, deshalb sage ich nicht, dass man dann doch gleich den Rum einführen sollte, aber begreifen kann ich das nicht so richtig. Sie haben doch so große Flächen hier, die sich auch für Zuckerrohr eignen würden. Fremdenverkehr scheint einfacher zu sein. War das der Nobelpreis?
Für die Durchfahrt durch Anse La Raye verengt sich der Highway auf 4m, so breit wie unser Boot ist, für Hin- und Gegenverkehr. Die Straßen sind belebt und man muss aufpassen, dass man Fußgängern nicht dieselben abfährt. Ab Ortseingang ist die Uhr um 50 Jahre zurück gestellt.
Überhaupt sind alle Straßen hier mit größter Vorsicht zu befahren. 40 cm tiefe und 1m breite Löcher sind eher die Regel, das Gemeine ist, dass sie so unvorbereitet kommen, pro km so etwa 3-4 Mal. Eigentlich müsste hier absolutes Nachtfahrverbot herrschen. Die Einheimischen kennen hier natürlich jedes Loch und zwischen den Löchern wird Vollgas gefahren. Du musst also versuchen, dem Vordermann beim abrupten Bremsen nicht aufzufahren, wenn du das geschafft hast, musst du nur noch das Loch, wegen dessen der Vordermann gebremst hat, erkennen und reaktionsschnell umfahren. Ein echter Doppelwhopper, nur mit viel F1-Erfahrung zu wuppen. Es wiederholt sich dann aber so oft, dass es nach einiger Zeit zur Routine wird. Da, wo keine Löcher sind, haben die Behörden Asphaltschwellen auf die Fahrbahn gegossen. Man braucht auf St.Lucia keine Radarkontrollen und es gibt auch keine Geschwindigkeitsbegrenzungen. Die Löcher und Schwellen regeln alles von selbst.
Unser Anhalter will nach Soufriere, im Südwesten der Insel. Das ist bisher für uns der schönste Teil der Insel. Die Pitons, Gros und Petit, Vulkankegel und Wahrzeichen der Insel, sind, wie der Ort Soufriere und dessen herrliche Bucht schöne Fotomotive. Für heute machen wir hier aber Schluss, wir müssen ja noch vor der Dunkelheit diverse Straßenlöcher umfahren.

Kastries, Hauptstadt von St.Lucia

Marigot Bay, Hedls Haus

Handel mit Bananen

Reiseführer

Soufriere Bay, St.Lucia
