Archiv für 7.01.2010
Islas Holger, Beagle Kanal 05.01.2010
04.01. morgens 09.00 Leinen los und auslaufen aus dieser wunderschönen Bucht von Port Williams, viel schöner als Ushuaia. Das Pflichtprogramm Kap Hoorn steht auf dem Programmzettel. Das Wetter soll passabel sein, nicht über 40 kt Wind wird versprochen, wobei der Wetterbericht böses Wetter ab 05. abends vorhersagt.
Mit achterlichen Winden geht es den Beaglekanal ostwärts an einem Frachterwrack, das blaue EBE im Schornstein kommt mir irgendwie bekannt vor, dann rechts abbiegen, die Insel Lennox lassen wir links liegen und brummen genau auf einen kleinen Felsen zu. Sollen wir links oder rechts an diesem untiefen, hartem Schiffsweghindernis vorbei? Beide Seiten haben genug Wassertiefe. Wir entscheiden uns für links, passt einfach besser zum Wind. Diese Entscheidung bringt uns die erste Bekanntschaft mit Kelp ein, einer bis zu 15m hohen Wasserschlingpflanze, die gern Ruder und Schraubenwellen blockiert und für die Wissende, starke Stechwerkzeuge mit sich führen. Wir kommen nur mit Müh und Not und ohne den Einsatz von Stechwerkzeugen aus diesem Kelpfeld heraus, Glück gehabt. Das muss man mal erleben, dann hast du jede Menge Respekt, als wenn man durch einen Haufen Fischernetze fährt. Bei Wassertiefen unter 20m ist in diesem Revier verstärkt mit diesen Schifffahrtshindernissen zu rechnen. Ab jetzt wissen wir, dass wir westlich an diesem Fels vorbei müssen. Erst wenn du einen Tritt in den Hintern bekommst, weißt du, dass es weh tut.
Geschrieben von: Ernst am 7.01.2010
Port Williams 03.01.2010
Endlich mal wieder auf See, wenn auch auf rauer See, aber das habe ich ja gewusst.
Zunächst geht es einigermaßen pünktlich in Ushuaia zur Prefektura Naval, das sind die argentinischen Matrosen und Offiziere, die auf ihr Meer aufpassen, wie die Schießhunde. Manchmal tun sie das auch, das Schießen, und legen sich dann wegen ein paar Schaafsinseln, wie den Falklandinseln, die ohne hin nur Subvention verschlingen, mit anderen ausländischen Matrosen und Offizieren an, die dafür auch nichts können.
Unser Offizier zum Ausklarieren ist eine vollschlanke Dame, eher voll als schlank, aber sehr nett und gründlich. Es dauert also und sie will uns alle sehen. Ist das hier eine Brautschau? Ehe dann Zoll, Gesundheitsamt, Hafenkapitän und sonstige Behörden ihren Haken unter wichtige Schriftstücke gemacht haben, ist es 15.00 und Zeit zum Auslaufen. Nach Porto Williams in Chile, auf der anderen Seite des Benagle-Kanals sind es 35 num. und dieser Dampfer ist kein arabischen Rennpferd, sondern eher belgisches Kaltblut aus. Na ja, wir sind ja nicht auf der Flucht.
Geschrieben von: Ernst am 7.01.2010


