04.01. morgens 09.00 Leinen los und auslaufen aus dieser wunderschönen Bucht von Port Williams, viel schöner als Ushuaia. Das Pflichtprogramm Kap Hoorn steht auf dem Programmzettel. Das Wetter soll passabel sein, nicht über 40 kt Wind wird versprochen, wobei der Wetterbericht böses Wetter ab 05. abends vorhersagt.
Mit achterlichen Winden geht es den Beaglekanal ostwärts an einem Frachterwrack, das blaue EBE im Schornstein kommt mir irgendwie bekannt vor, dann rechts abbiegen, die Insel Lennox lassen wir links liegen und brummen genau auf einen kleinen Felsen zu. Sollen wir links oder rechts an diesem untiefen, hartem Schiffsweghindernis vorbei? Beide Seiten haben genug Wassertiefe. Wir entscheiden uns für links, passt einfach besser zum Wind. Diese Entscheidung bringt uns die erste Bekanntschaft mit Kelp ein, einer bis zu 15m hohen Wasserschlingpflanze, die gern Ruder und Schraubenwellen blockiert und für die Wissende, starke Stechwerkzeuge mit sich führen. Wir kommen nur mit Müh und Not und ohne den Einsatz von Stechwerkzeugen aus diesem Kelpfeld heraus, Glück gehabt. Das muss man mal erleben, dann hast du jede Menge Respekt, als wenn man durch einen Haufen Fischernetze fährt. Bei Wassertiefen unter 20m ist in diesem Revier verstärkt mit diesen Schifffahrtshindernissen zu rechnen. Ab jetzt wissen wir, dass wir westlich an diesem Fels vorbei müssen. Erst wenn du einen Tritt in den Hintern bekommst, weißt du, dass es weh tut.
Die nächsten 30sm nach Süden zu den Wolleston Inseln, zu denen die Insel Hornus mit seinem die Meere trennenden Kap Hoorn gehört, sind ruppig. Ungünstige Winde zwischen 15 und 45 kt bringen die Frage wieder hoch, was man hier eigentlich will. Man könnte es überall sonst doch so schön haben. Dieses Mysterium lockt einen wie der Nagel auf der Straße, der dir, bei allem Platz, der rechts und links von ihm ist, unweigerlich den Platten bringt. Im Canal Franklin, nördlich der Isla Herschel, gibt es morgens um 03.00 nochmal tüchtig was auf die Nase, warum muss ein Wind immer von vorn kommen und Leuchtfeuer bei 04°C im stürmischen Regen verschwinden?
Am 05.01. um 08.35 runden wir Kap Hoorn, kommen also wieder nach einem kleinen Stück auf dem Pazifik, im Atlantik an. Besan an, die Sektbuddel kommt auf die Back, der triste Felsen wird von allen Seiten, von oben und unten, rechts wie links, abgelichtet. Bei aller Euphorie, wir müssen ja noch auf diesen Fels, um unseren Stempel im Pass ab zu holen. Die einzige Stelle, um auf dieser Insel anzulanden liegt im Westen. Die Chilenen haben dort eine Schneise in den Kelp geschlagen, in der man mit dem Dingi der Insel näher treten kann. Wir, SY. Delphin darf aber nicht, denn mit uns sind zwei Kreuzfahrer gekommen, die jeder so um die 500 Passagiere mit Schlauchbooten a 8 pro Boot zur Insel zu transportieren. Wartet auf weitere Anweisungen kommt da von oben durch den Äther, aber in einem Gemisch von englisch und spanisch, sehr gewöhnungsbedürftig, nur mit gemeinsamen Anstrengungen, hier englische , dort spanische Preferenzen, gelingt der Meinungsaustausch zur beiderseitigen Zu- bzw. Unzufriedenheit. Einer der
Kreuzfahrer ist die Hanseatic, mittlerweise Nr.4. Auf Nr.1 hab ich ja 1963 mal meine Seefahrtskarriere begonnen. Der Kapitän meldet sich über Funk, wahrscheinlich auch Segler, interessiert er sich über das woher und wohin. Man plauscht über dies und jenes, ist ruck zuck per du und wünscht sich gegenseitig gute Fahrt. Die haben da so viel Boote im Einsatz, warum könnte nicht eins davon uns mit rüber bringen? Klar doch, sagt unser neuer Freund Rolf der Kapitän, ich schick meinen Chiefmate. Keine 3 Minuten später kommt der Chiefmate mit seinem 8m- Zodiak, kommt, ich bring euch. Das geht alles so schnell, dass nur Günther und ich, die wir noch im vollen Seezeugornat stehen, direkt übersteigen. An der Anlegestelle haben sie da für das Anlanden je 4 Mann pro Seite in Gummianzügen im Wasser stehen, das Schlauchboot fährt mit Schmackes auf die Felsen, die 8 Mann halten das Boot, bis die Leute ausgestiegen sind, dann wird mit voll rückwärts das Boot wieder von den Felsen ins Wasser gefahren. Branchial und mit normalem Gerät nicht zu machen. Für SY.Delphin-Equipment nicht zu wuppen. Die Hanseatic war ein Glücksfall für Günther und mich, ohne sie, wären wir nie auf diese Insel gekommen. Man hätte aber im Notfall auch ohne diesen Besuch leben können. Es gibt nicht viel zu sehen, Leuchtturm mit Behausung der zwei Offiziellen, die gleichzeitig den Souvenierverkauf machen, die einstmalig 1. Hütte dieser Insel, dann noch die Gedenktafel der Kap Horniers, die es im Windjammer irgendwie um dieses wüste Kap herum geschafft haben, sonst eigentlich nichts. Der Chiefmate holt uns mit der letzten Fuhre wieder ab und bringt uns zurück an Bord. Dass der 1. Offizier mithilft, die Passagiere ein- und auszulanden, unter diesen Umständen, im Zodiak in Kap Hoorn Gewässern, find ich toll.
Rolf, der Kapitän gibt uns noch das Wetter mit auf den Weg. 40kt Wind von Südost nach Südwest drehend, kann er sich ans Hütchen stecken, hat meine Stiefmutter immer gesagt, aber wir werden damit leben können und er kann ja eigentlich auch nichts, für diese schlechte Nachricht. Dann tutet und winkt unser Gönner da oben auf seiner Brücke, wir tuten und winken zurück, er fährt nach Uschuaia und wir finden, nach einer relativ moderaten Überfahrt ein schönes Plätzchen in der lauschigen Bucht Caleta Echappeebelle auf der Islas Holger am Beagle Kanal. Nach einigem Hin und Her am Funk sind wir 05.01. um 21.30 fest am Anker. Dieser Kap Hoorn Besuch, der 1. Pflichtauftrag wird mit Steak, Bratkartoffeln und Krautsalas abgeschlossen. Es kann die Kür folgen.

