16.01.2010

Bahia Romanche, Feuerland 10.01.2010

Bei herrlichem Wetter fahren wir am 08.01. am Vormittag von Port Williams los. Teilweise können wir sogar segeln, aber so richtig kommt dieser Dampfer nicht in Schwung. Wenn man auf einer Wanderdüne sitzt, muss man halt Zeit mitbringen.

Die chilenische Marine, mit der wir die Biervorräte der Frachterbar gestern Abend vor schwere Nachschubaufgaben gestellt haben, ist zum Manöver ausgerückt und überholt uns mit heftigem Tuten. Die Köpfe, die die Jungs haben, werden sich nicht wesentlich von den unsrigen unterscheiden.

unsere Bewacher und Saufkumpane

Abends 22.00 haben wir die 50 nm. geschafft, der Anker fällt in dieser wundervollen Bucht vor der Caleta Ferari zum Boxenstopp. Bei dem Landausflug per Beiboot am nächsten Tag, lernen wir die Scuderia hier kennen. Sie besteht aus einem Gaucho und seiner belgischen Freundin. Die riesige Farm wurde vor 12 Jahren von einem Segelmodenhersteller ( Northface ) gekauft, der einen Gaucho eingesetzt hat, um die verwilderten Kühe und Pferde zu dezimieren. Das scheint er konsequent durchzuführen, überall liegen Pferdebeine in der Gegend herum. Zimperlich ist er wirklich nicht, gestern hat er einem Hengst vom Nachbarn, der einer seiner Stuten nähertreten wollte, ruck zuck den Familienschmuck abgeschnitten. Seiner Freundin werden wir sicherlich nicht zu nahe treten. Die Stromversorgung besteht aus einem altersschwachen Stromgenerator, der seine Spannung nicht mehr regeln kann. Es fehlen Ersatzteile. Zum Batterieladen geht es wohl noch. Jose der Gaucho hat sich 18 Wildpferde einigermaßen zugeritten. Die leben, bis auf eines, frei, bei Bedarf benutzt er das Unfreie, um andere zum Gebrauch einzufangen. Genügend Sättel hat er auch, ein Ausritt in die Pampa bietet sich somit an. Die Pferde sind schnell eingefangen und los geht’s. Der Weg führt durch Flüsse, Morast, Wälder, dichtes Buschwerk, die Pampa. Oft sehen wir Wildpferde und die Natur ist grandios. Nach 2 Stunden Ritt machen wir Pause, du merkst plötzlich Muskulatur, von der du bisher keine Ahnung hattest, vom Hintern mal ganz abgesehen. Müssen wir diese 2 Stunden wieder zurück? Aber ja doch, doch diesmal schalten Jose und seine Freundin 2 Gänge höher. Wo Galopp möglich ist, ist Galopp. Wo hast du reiten gelernt, fragt mich Joses Freundin. Gar nicht, ich hab früher nur viele Cowboy-Filme gesehen.


durch Wald und Fluss

Nach dem Reiten wird Sattel und Zaumzeug abgenommen und die Pferde wieder in die Wildnis entlassen. Kein Bürsten und Striegeln, Jose ist wie gesagt nicht zimperlich, ein Pferd, das nicht zu gebrauchen ist, wird geschlachtet, Pflege ist nicht, es sind Wildpferde, schmerzfrei. Die 12 Hunde, die hier bei ihnen leben, brauchen ja auch was zu kauen. Auf dem Landweg gibt es keine Verbindung für die Versorgung, Fischer und Segler bringen ab und zu mal was vorbei. Sonst gibt es nur das, was da ist. Wir bringen eine Flasche Schnaps und Wein mit, deren Halbwertzeit so um eine halbe Stunde rum ist.

Auf dem Bauch schlafen ist in meiner Koje nicht gut möglich, deshalb gibt es nicht nur gute Erinnerungen an diesen Ausflug.



Bevor wir Heute Morgen aufbrechen, werden die Hosen vom gestrigen Ausritt gewaschen, ein Segel genäht. Dann Eier zum Frühstück, es ist ja Sonntag, Anker auf und weiter im Beagle-Kanal nach Westen. Je weiter man nach Westen kommt, je tiefer ist das Eis an den Bergen. Das Eis der Gletscher ist wohl dicker, dass es länger zum abtauen braucht. Nach 20 sm teilt sich der Beagle-Kanal in Brazo Nordeste und in Brazo Sudeste. Wir nehmen Nordeste westwärts und fahren bald durch Treibeis, das von dem Gletscher Italia gleich hinter dem Gletscher Hollandia abgebrochen ist. Schnell wird das Beiboot klargemacht, die beiden Günthers steigen für eine Fotosession um. Segelboot vor Gletscher heißt wohl das Grunthema. Ein Eisbrocken wird eingefangen, man möchte Chivas Regal Whisky auf Gletschereis.

das Eis fuer den Whisky

Die nächsten Meilen immer an Wasserfällen, dem Gletscher Francis folgt der Gletscher Alemania. Gleich gegenüber ist unser heutiger Ankerplatz in der Bahia Romanche. 40 m Ankerkette am Grundeisen und eine Landleine sollen für einen sicheren Liegeplatz sorgen. Die Miesmuscheln am Felsen wollen gepflückt werden.

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