Klar, es gab abends am 10.01. noch Miesmuscheln. Günther A ( A für Austria, es gibt 2 Günthers hier an Bord ), schruppt 2 Stunden an den Muscheln, bevor sie reif für den Topf sind. Sie sind größer, als unsere, außen und innen. Schmecken tun sie ähnlich. Am nächsten Morgen, so um 07.00 rum, macht die Ankerkette Radau, so ein Aluminiumschiff ist hellhörig. Der Wind hat gedreht, der Anker hält nicht so richtig und wir liegen nur ca. 20 m von Land weg. Es hat also schnell gehen müssen. Beiboot klar machen, Landleine vom Baum abbinden, Motor starten ( die 30 Sek. Zum Vorglühen dauern eine Ewigkeit ), Anker aufholen und nix wie weg von Land. Die Abfahrt war eigentlich für 10.00 geplant, so können wir trödeln, teilweise sogar segelnd den Brazo Nordeste dahintreiben. Es ist wie winterliches Segeln auf einem Gebirgssee. Links und rechts hohe eisbedeckte Berge, unten dichte Wälder, für einen Segler ein ganz ungewohntes aber supertolles Revier, wenn bloß der heutige Nieselregen nicht wäre. Gestern noch im T-Shirt, frierst du heute im Faserpelz unter dem Ostfriesennerz. Wärmen tun uns meine ersten Eierpfannkuchenversuche. Die einen bekommen sie mit Wurst, Zwiebeln, Knoblauch und Käse, die anderen mit Marmelade. Beschwert hat sich keiner.
Kälte und Regen sind schnell vergessen, als wir vorsichtig die von Felsbrocken halbseitig gesperrte Einfahrt zum Seno Pia Fjord passieren. Dieser ca. 8 sm tiefe Einschnitt teilt sich in zwei Arme, an deren Enden Gletscher sind, die fortwährend große und kleine Eisbrocken in den Fjord kalben. Wir versuchen in den westlichen Arm einzufahren, müssen aber nach ca. 4 sm im immer dichteren Eisfeld kurz vor dem Gletscherfuß aufgeben, um das Schiff nicht zu beschädigen. Wir sind ja kein Eisbrecher, die 4, oder teilweise 6 mm Aluminiumbleche der Schiffshaut knirschen ganz schön, wenn das Eis dran vorbeischabt. Im östlichen Arm ist das Eis nicht ganz so dicht, so dass wir fast bis zum Gletscherfuß heran fahren können. Es knackt und donnert tüchtig, wenn das Eis bricht. Wir lassen das Boot treiben und können gruppenweise mit dem Beiboot an Land. Es ist erstaunlich, dass gleich neben dem Gletscher Büsche und Sträucher mit Beeren wachsen, Mücken umherfliegen. Es sind ganz neue Segelerlebnisse, die einem in diesem Revier begegnen, unglaublich toll.
Wir bleiben die folgende Nacht in dieser Bucht, machen den Dampfer am Buganker und zwei Landleinen fest und essen abends meinen überall so gefürchteten Weißkohleintopf.
Heute morgen regnet es in Strömen. Wollen wir jetzt hier weg? Nee, bei dem Wetter bloß nicht. Der Salon ist warm, Frühstück und Kaffee machen träge, man überspielt Fotos, liest, schreibt Berichte. Lass das Wetter da draußen man toben.
So um 14.00 klart es ein bisschen auf, es kommt Expeditionslust auf. Wir wollen zum Wasserfall, ca. einen km entfernt. Alle 5 steigen in das kleine Beiboot und setzen an Land über. Ein paar Schritte über die felsige Küste, dann stehst du mitten im Urwald, verglichen dazu ist unser deutscher Mischwald ein aufgeräumter Park. Dicht stehendes Gebüsch und knietiefes, quietschnasses Moos machen ein Durchkommen schwer, sehr schwer. Schnell verliert sich die kleine Truppe aus den Augen. Ich
versuch unten an der Küste weiter zu kommen. Die Steine sind glitschig, ich bin bald öfter im Wasser als draußen. Günther D ( Hamburg ) hatte wohl die gleiche Idee, wir treffen uns unten am Bach, in dem das Wasser des Wasserfalls in die See läuft. Rechts und links ist es so steil und nass, dass ein Aufstieg zum Wasserfall, ca. 150 m höher nicht in Frage kommt. Günther versucht es rechts, 100 m weiter, ich links. Es ist fast ein Wunder, aber wir sind fast zur gleichen Zeit da oben, nass, innen und außen, zerkratzt und verdornt, aber wir haben es geschafft. Günther muss sich für ein Foto in voller Seemontour unter den Wasserfall stellen, bevor es wieder, diesmal gemeinsam durch diese Wildniss nach unten geht. Ein unglaubliches Erlebnis. Als wir wieder alle zusammen sind hören wir, dass Erich und Christiane einen Pfad gefunden haben, der wohl noch einmal 100 m über unserer Position am Wasserfall war. Sie sind halt Gebirgsindianer.
Günther A putzt heute wieder gut 2 Stunden Miesmuscheln. Den Sud von Vorgestern haben wir ja noch. Weißwein haben wir nicht mehr, aber ein guter Roter geht auch.





