Am 20.07. hat es dann in Faro doch nicht so geklappt. Das Zuwasserlassen, ok, alle Ventile und Schlauchverbindungen, die getrennt wurden, sind dicht, auch die neue Wellenabdichtung. Aber, der Verstell-Propeller war ja in Hamburg zur Wartung und ich hab noch gesagt, laßt die Finger von der Propellersteigung. Das hat mich in Martinique, Karibik, mehrere Tauchgänge gekostet, um die richtige Steigung zu finden. Ich musste damals immer wieder den Propeller unter Wasser abbauen, um die richtige Steigung per Versuch aus zu probieren. Nein, sie haben natürlich nicht die Finger von der Steigung gelassen, sie haben sie verstellt, das heißt, das Schiff musste wieder aus dem Wasser. Ein Drama!! Beim Rausziehen brach natürlich wieder die Antriebswelle des Travelllifts. Gott sei Dank war in dem Augenblick die Schraube gerade aus dem Wasser. Dieselbe wurde, bis zum Bauch im Wasser stehend, ausgebaut, zerlegt, die neue Steigung eingestellt und wieder eingebaut. Zu Wasser ging es dann wieder mit der defekten Antriebswelle und ohne das schwere Schiff auch wieder zurück. Na ja, mit den letzten Zentimetern des abfließenden Wassers haben wir es dann bis zum tieferen Wasser der Faro- Lagune gerade noch geschafft. In dem engen Lagunenfahrwasser kam dann der nächste Alarm. Motorkühlwasser zu heiß! Der Wind hatte nur 4 kt, kam aber aus brauchbarer Richtung, also schnell die Genua raus gezogen, den Anker für den Notfall klar gemacht. Maria hält das Schiff irgendwie in der Kanalmitte und ich entlüfte erstmal das Kühlwassersystem. Weil das Wasser kocht, tun das meine Finger auch nach kurzer Zeit, gut, dass der gemeine Seemann relativ schmerzfrei ist, wenn die eiskalte Cola hinterher mit ausreichenden Mengen feinsten, ebenfalls eiskalten Rums verfeinert wird.
Die 150 Seemeilen nach Gibraltar sind nicht zu beanstanden und in 24 Stunden und einigen Segelwechseln abgehakt. Müde, salzig aber zufrieden laufen wir in die Bucht von Gibraltar ein, der erste Funkkontakt mit der Queensway-Marina sichert uns einen Liegeplatz, nur der Motor zickt mal wieder. Ist der Motor eigentlich männlich? Das ja, er ist aber auch Gott sei Dank nicht die Ursache, die Lichtmaschine zickt und die ist ausgesprochen weiblich, zumal sie aus Martinique kommt, wo wir sie 2002 gewechselt haben.
Bis zur Pier ertragen wir die roten Alarmleuchten des Motorpanels und nehmen erst mal unsere Freundin Becky an die Brust, die schon vor den Marineros an der Pier steht. Der erste Anlegerschluck vertreibt das Sandmännchen, das die letzten 18 Stunden vergeblich auf uns gewartet hat, und während die Mädels von alten Zeiten schwärmen, mach ich mich auf die Suche nach einem Kundigen der schwarzen, elektrischen Künste, der womöglich der Lichtmaschine ihre Zicken austreibt. Das Marina-Office verweist auf einen Reparaturbetrieb, der allgemeinen Art, nicht weit weg. Klar sagen die Jungs dort, machen wir, morgen früh ist jemand da, der sich auskennt. Mit meinem „Lieber hätte ich es heute Abend“ komm ich nicht weit, also ertrag ich Mädelskonversation bei einem weiteren Gin Tonic und freu mich über Beckys Einladung zum Grillen.
Becky bewohnt mit ihrem Freund John hoch über den Dächern und vor allem Straßen von Gibraltar 2 Wohnungen auf einem Hochhausflachdach, mit eigenem Aussichtsturm. Die Aussicht ist überwältigend, aber der Weg dorthin nur was für trainierte Alpinisten. Den diversen Höhendekaden bis zum Erreichen des Hausgrundniveaus, folgen dann zum Ziel noch einmal gefühlte 500 Treppenstufen. Bist du dann jedoch erstmal angekommen, hast du außer der herzlichen Gastfreundschaft von John und Becky auch noch einen grandiosen Ausblick auf Gibraltar, Spanien, die Seestraße und Reede von Gibraltar und Marokko. Einfach toll und wir haben mal wieder keinen Fotoapparat dabei. Echt dumm gelaufen.
Steaks, Grillwurst, Schaschlik, Bier und abschüssige Wege helfen beim Heimweg.
Der nächste Morgen gehört der Lichtmaschine. Der versprochene Mechaniker kommt relativ pünktlich, ist willig, hat aber keine Ahnung. Dafür kennt er die Volvovertretung und fährt mich hin. Die hätten jemanden, aber nicht vor Lunch.
Wir haben damals die defekte Lichtmaschine in Florida reparieren lassen, aber nie probiert. Sollen wir sie einfach tauschen? Wenn der Fehler woanders liegt, wäre auch diese Lichtmaschine im Himmel. Na, wir bauen erst mal die defekte aus. Alles ist stark korrodiert und wird geputzt und blank geschmirgelt. Die Anschlüsse sind anders bezeichnet, Franzosen gegen den Rest der Welt, aber Batterie Plus und Minus, Erregerspannung sowie Drehzahlanschluss lassen sich irgendwie zuordnen und mit dem Entschluss den Austausch zu wagen, kommt der versprochene Elektriker. Sein Vorschlag, die alte Lichtmaschine erstmal auseinander zu bauen, um zu sehen, wo der Fehler liegt, klingt vernünftig und zeigt beim Zerlegen der Einzelteile die völlige Korrosion. Das Seewasser aus der durchgeriebenen Kühlwasserleitung hat ganze Arbeit geleistet. Die reparierte Reservelichtmaschine arbeitet einwandfrei, obwohl die Kontrolllampen immer noch einen Fehler zeigen. Damit müssen wir bis Cartagena leben.
Wegen dieser Arbeiten kommen wir erst um 15.00 von Gibraltar weg. Meinen kleinen rechten Finger brech ich mir mal wieder beim Aufbau der Sprayhood. Der klügere gibt nach, sagt man, aber gegen zwei robuste 22iger Nirorohre hätte wohl auch ein dümmerer kleiner Finger keine Chance. Die Arbeiten bei den Segelwechseln tun nun weh.



