Nach 23 Stunden mit wechselnden Winden kommen wir in Almerimar an. Auch diese Nacht haben wir wegen der häufigen Segelwechsel wenig geschlafen. Das gute Frühstück auf See baut auf, macht aber den Anblick, dieser durch die vielen mit Plastikfolien überzogenen Obst- und Gemüseplantagen nicht angenehmer. Es gibt weiße Strände, wenig belebt, Berge teils schneebedeckt im Hintergrund, aber das Hinterland vor den Bergen ist farblos, folienbedeckt, ausgebrannt.
Das Segeln gefällt der Damenwelt, keine großen Wellen, wie auf dem Atlantik, gegen die man anknüppeln muss, oder auf denen man runter rutscht, die Winde wesentlich moderater, die Temperaturen, bei denen man ohne die Wärme von 2 oder 3 übereinander gezogenen Faserpelzen nicht zu Bett geht. Nee, man schwitzt schon unter einfachem Betttuch im T-Shirt. In der Nacht stören keine Fischer, es gibt wahrscheinlich keinen Fisch mehr in dieser Gegend. Vor 6 Jahren war das anders.
Den Hafenkapitän von Almerimar kennen wir noch. Er ist schon 25 Jahre auf diesem Posten. Man plauscht, unterhält sich, versteht sich. Als er meinen blau angelaufenen, gebrochenen, kleinen Finger sieht, mahnt er uns zum Hospitalbesuch. Der Platz, den er uns und dem Schiff gibt, ist luftig, angenehm, die Qualität der Marineros zwingt beim Anlegen jedoch zu Voraussicht, auch und erst recht den Arbeitsinvaliden.
Es gibt eine Arztpraxis innerhalb der Marina. Die Arbeitszeiten sind wohl mit den Öffnungszeiten der Bars abgesprochen. Der Arzt macht auf, wenn die Bars am Nachmittag schließen. Das passt auch in unseren Terminplan, man muss sich ja ein bisschen Mut für den Arztbesuch machen und gerade bei diesen Temperaturen kann man nicht dehydriert bei einem Arzt erscheinen.
Sein Befund deckt sich mit unserem, aber mit einem gebrochen Finger muss man ins Hospital, meint er. Unsere Frage, was die besser machen, beantwortet er mit einem solide geschienten Finger, wesentlich professioneller als der Milchtütenverschluss, der an Bord mit Tape als Schiene an den Finger geklebt wurde. Ruckzuck wirst du damit und dem dazu gehörendem Verband zum Invaliden. Na ja, wir wollen ja mal ausschlafen die nächsten 2 Tage, Formel1 im Fernsehen anschauen und all so was, ein Bisschen Urlaub eben. Da stört so ein Verband weniger und danach werden wir mal sehen.

