Archiv für die Kategorie 'Florida - Horta 2003'

Freitag, 02.Mai 03

Es gibt viel zu tun.

Das Schiff hat arg gelitten. Durch jede nur mögliche Ritze ist Wasser eingedrungen. Auf See hatten wir schon die meisten dicht gemacht. Es ist schon ein Unterschied, ob man mal mit dem Vorschiff untertaucht, oder ob das 14 Tage am Stück, jeder Tag 24 Stden lang, geht. Plötzlich ist jeder Bolzen, der durchs Deck geht, wichtig. Den ganzen Vormittag Telefonate, der Segelmacher holt das erste Segel, der GfK-Bootsbauer ist bestellt, der Tischler ebenfalls.
Die Fehlerursache des Radarwarners zeigt sich, als die Antenne abgebaut ist. Ein halber Liter Wasser fließt raus. Maria hat Ersatz mitgebracht. Schlechte Nachricht für den Herrn Service-Leiter. Die neue Antenne wird vor dem Einbau mit Silikon zugebeppt.
Das neue Bedienteil des Autopiloten hat natürlich andere Einbaumaße und andere Anschlüsse. Wenigstens haben sie die Partnummern in die Bedienungsanleitung geschrieben.
Was ähnliches gibt es bei Mid-Ocean-Service. Preise haben die ! Richtige Teile haben sie nicht, aber mit dem was da ist, können wir auch mit Bordmitteln weiter.

Geschrieben von: Ernst am 2.05.2003

Donnerstag, 01.Mai 03

Donnerstag, 01.Mai 03

Mittagsposition: Horta

Wir sind tatsächlich da !!!
Das war wirklich keine leichte Prüfung. 14 Tage immer gegen an schlauchen und nagen an der Moral. Letztendlich sind wir aber doch froh, das gesteckte Ziel erreicht zu haben.

Karin und Maria haben den letzten Bericht in Horta im Internet gelesen und sind sofort losgerannt, um uns einlaufen zu sehen. Sie stehen auf der Außenmole, winken wie verrückt und wir sehen sie nicht, sehen einfach immer in die verkehrte Richtung, sind mit Festmacherleinen und Fendern beschäftigt, bemerken sie einfach nicht. Da wir die letzten Stunden auch keinen Kontakt hatten, wussten wir ja auch noch nicht genau, ob alles mit den Flügen geklappt hat, ob sie überhaupt in Horta sind. Als wir uns der Einklarierungspier nähern sehen wir sie dann da schon stehen. Ein tolles Gefühl war es schon bei der Berufsschifffahrt, wenn nach einer langen Seereise jemand an der Pier steht und auf deine Rückkehr wartet. So auch hier. Kann man einfach nicht erklären, aber es wird doch so richtig warm ums Herz herum. Als die Leinen fest sind und das Geherze vorbei, geh ich in die Bürokratie, um uns in Europa zurückzumelden. Formalitäten halt, hat’s Tote oder Verletzte gegeben? nein, Waffen, nein, Alkohol nur für den persönlichen Gebrauch, seid ihr nette, ehrliche Menschen, ja, etc.

Geschrieben von: Ernst am 1.05.2003

Mittwoch, 30.April 03

Mittagsposition: 38°24´88 N , 28°44´18 W

noch 16 sm bis Horta

Die Nacht von Montag auf Dienstag ist die reine Wiederholung der Nacht davor.

Um 23.00 übergibt Peter die Wache mit den Worten ” man könnte vielleicht ausreffen, aber… “. Ich nach oben, na klar kann man, lass sehen die Tücher.
Die sind keine 2min draußen, da haut es uns aus dem Faserpelz. Böen von 35kt bietet uns Rasmus an. Los die Schot und nichts wie rein wieder damit.
Der Spuk dauert so um die 10min, dann kommt wieder die Frage ” wir könnten ja, aber… “. Das Segel muss wieder raus, klar, aber jetzt in kleinen Dosen. Drei Stden immer auf Kiwif, immer sprungbereit, wie unser Kater Leon vor dem Mauseloch. Das schlaucht, Mann.

Die Temperaturen hier in der Nacht so um 8°C sind auch nicht das, was wir uns vorgestellt haben. Wir sind auf nordafrikanischen Breiten, in Tunesien bekommt man einen Sonnenbrand, wisst ihr das denn hier nicht? Im Schiff hat’s Temperaturen so um die 14°C. Wir gehen im Pullover und Faserpelzsocken ins Bett.

Der Dienstag ist dafür wieder Spitze. Rauschefahrt bei 17kt raumen Wind und direkter Kurs auf Horta bringen mal wieder ein gutes Etmal. Die Götter haben ein Einsehen.

Geschrieben von: Ernst am 30.04.2003

Dienstag, 29.April 03

Mittagsposition: 36°22´64 N 030°16´80 W

noch 151 sm bis Horta.

Der Motor läuft von Sonntag Mittag bis Mitternacht durch. Wir sind wegen der hohen kabbeligen Wellen nicht ganz auf Kurs, immer ein bisschen zu weit östlich, Richtung Gibraltar, aber immerhin. Ein paar mal versuchen wir es ohne Maschine, aber dann dümpeln wir so mit 2,5kt dahin, der Windpilot macht nicht mit, weil kein Ruderdruck da ist, heftiges Raddrehen geht los, nix für müde Krieger. Aber auch unter Motor muss von Hand gesteuert werden, weil der Autopilot im Himmel ist.
Auf Klo gehen is nicht, solange der Kollege pennt, heißt es Fitnesstraining für die Arschmuskulatur. Immer hübsch zusammenbeißen, die lieben kleinen Bäckchen, wissenschaftlich auch Arschbackenpressur genannt.

Geschrieben von: Ernst am 29.04.2003

Montag, 28.April 03

Mittagsposition: 34°25´35 N, 31°27´26 W

noch 281 sm bis Horta

Ihr seht es ja schon oben, wir schwanken nicht mehr, jedenfalls nicht im Geiste. Nach allen Wetterinformationen, die wir hier haben, müsste Horta möglich sein. Also sind wir jetzt dazu wild entschlossen, weil ja auch Nina und Peters hoch verehrte Kundschaft warten. Dass die so wild auf Bohren sind. Mein Zahnarzt könnte ruhig noch mal Kurs auf die Kapverden nehmen.

Also seit 08.00 auf Pos.: 33° Nord und 33.3° West sind wir wieder voll gegen an. Um 11.00 schläft der Wind wieder ein, lässt aber die grobe See zurück. Ich dachte, so arbeitet nur Peter ! Das schreib ich jetzt aber nur, weil eben der Computer ausgegangen ist und mit ihm der fertige ungespeicherte Bericht. Das macht bösartig. Jetzt muss ich anstelle schlafen zu gehen, mir alles noch mal wieder neu ausdenken. Es hilft hoffentlich das Anstaltsgebinde Cognac im Tee. Wie gesagt, schläft also der Wind ein und wir müssen mit dem Dieselwind weiterfahren. Nee, nicht Richtung Horta, da kommt die Welle ja schon her. Mit den Kameraden ist nicht zu spaßen – siehe Kapitel ” Nereiden “.

Geschrieben von: Ernst am 28.04.2003

Sonntag, 27.April 03

Mittagsposition: 32°07´36 N , 033°18´85 W

noch ? sm bis ?

Wir schwanken noch hin und her und das nicht nur körperlich, sondern auch im Geiste. Wir wissen nämlich nicht so recht, was wolle. Aber machen wir mal der Reihe nach.

Geschrieben von: Ernst am 27.04.2003