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Archiv für die Kategorie 'Madeira -> Kanarische Inseln 2007'
Reisebericht Wolfgang
Von den Kanaren nach Madeira, Juli 2007 oder Einmal Segeln
Wenn einer eine Reise tut………….
Die Ankunft
Nach zwei wackeligen Landungen, zuerst auf Gran Canaria und nach langweiligen fünf Wartestunden auf Gran Canaria, wartete Ernst schon auf mich mit einem „Vielsagenden Lächeln“ und einem Twingo, um mich nach einer Testfahrt, einem leckeren Fisch in einem netten Restaurant unterwegs und einem Seemannstrunk in einem typischen spanischen Hotel mit fantastischer Aussicht über das Meer und den Hafen, wo am Steg das Boot lag, auf dem ich meine erste Seereise machen durfte, an Bord zu bringen. Von hier oben schien mir das Schiff, mit dem Hintergrund des endlosen Meeres, gar nicht mehr so groß, …aber mich hatte ja keiner gezwungen …. Nur nichts anmerken lassen…
Das Schiff, „MERRY MARY“
Beim „Näher kommen“ sah alles schon wieder ganz anders aus, das Schiff war einfach schön, voll von Technik, super gepflegt und hatte eine wohnliche Einrichtung, wo mich vieles an unseren Wohnwagen erinnerte. Die Unterschiede sollte ich später noch eindrucksvoll und mit nachhaltiger Wirkung zu spüren bekommen. Der Abend wurde mit einem saftigen Seemannstrunk abgeschlossen und ich legte mich in zum ersten Mal in meinem Leben unter Deck in das vorderste Dreieck des Schiffes, todmüde, ich war seit zwei Uhr auf den alten Beinen.
Geschrieben von: Ernst am 28.07.2007
Madeira, 28.07.07
Wolfgangs Flieger fliegt so um 09sonstwas nach Hause. Davor gibt es an Bord noch mal Frühstück mit all dem, was er sich für die Reise eingekauft hatte. Deftig, fast englisch, würd ich sagen. Na ja, bei dem Pamps, was man im Flieger bekommt, muss man vorsorgen.
Die Sachen sind schnell zusammen gepackt, nach kurzer Fahrzeit sind wir am Flugplatz und haben Wolfgang eingecheckt.
Tschüß, guten Flug, war eine wirklich schöne Zeit zusammen. Nur zu kurz !!!
Ich fahr weiter nach Funchal, besorg Öl zum Ölwechseln, beim Schiffsausrüster Federelemente für die Landleinen und beim Baumarkt, irgendwo auf dem Land, Ringschlüssel für den Ausbau des Öldruckgebers.
Die nächsten Tage bis zu Abflug verbring ich mit dem sicheren Festmachen des Schiffes, Aufbau der Kuchenbude, Ausbaus und Prüfung des Öldruckgebers, Ölwechsel, Lagerkontrolle des Turboladers, Wäsche waschen, Schiff saubermachen, Kundentelefonate, 10 wichtige emails von ca. 500 unwichtigen emails trennen, all so’n Zeug eben, was man im Urlaub so macht.
Es war trotzdem wie immer eine saugute Zeit auf dem Boot !!!
Geschrieben von: Ernst am 28.07.2007
Madeira, 27.07.07
Es ist nicht ausgesprochen unangenehm, eine ganze Nacht durch zu schlafen. Der Seemann nennt so was Bauernnacht und wenn man dabei dann noch wie ein zivilisierter Mensch riecht, kommt rundum ein echtes Wohlgefühl auf.
Morgens dann zuerst zu Katja ins Marinabüro, um einen Mietwagen zu bekommen. Es ist Hochsaison auf Madeira, alle Mietwagen sind ausgebucht, es liegt im Hafen ein Frachter, der neue gebracht hat. Wir bekommen einen, next half hour it will be here. Katja ist die Seele der Marina und ist ganz aus dem Häuschen, als sie hört, dass Wolfgang das erste Mal auf See, so einen Törn ohne wirklichen Blessuren gemeistert hat.
Die anschließende Inselrundfahrt führt uns über Funchal zum 1850 m hohen Pico do Areeiro. Keine Wolke am Himmel verdirbt uns den herrlichen Ausblick über Madeira. Die Strecke von hier aus, die ganze Nordküste entlang, ist stark kurvenreich und Wolfgang bemäkelt die zu hohe Geschwindigkeit. Da kommt halt der Fahrlehrer wieder ein bisschen durch. Es geht nicht anders, was andere in 7 Tagen machen, müssen wir auf einen Tag zusammendrücken, da darf man nicht trödeln.
Die Insel ist wie immer beeindruckend, die Steilküsten, die Terpentinen, die schmalen, aus dem Fels roh herausgeschlagenen Tunnel, Moniz mit seinen Lava-Schwimmbädern, alles einfach toll.
Geschrieben von: Ernst am 27.07.2007
Auf See, 26.07.07
Gestern Abend wurde dann doch noch gekocht. Ich hatte mir da schon meine Gedanken gemacht, aber als ich so um 19.00 an Deck will, sehe ich, dass Wolfgang schon die Kartoffeln geschält und aufgesetzt hat. Gut der Mann, er hat dann auch gleich die Bratkartoffeln und den falschen Hasen fertiggemacht, bei der See, alle Achtung. Hat super geschmeckt.
In der Nacht dann wieder alles beim Alten. Mal frischt es ein bisschen auf, die See wird rauer, dann geht es wieder. Wir müssen halt dahin, wo der Wind herkommt, nichts wie gegen an. Nachts um 01.30 sehen wir den ersten Dampfer seit der Abfahrt, um 02.30 geht der Mond unter und es wird finster. Um 03.00 kommen die Lichter von Madeira in Sicht.
Die schöne Madeira hat ihren Keuschheitsgürtel angelegt. Es fängt plötzlich an, wie verrückt zu pusten, kommt mir nicht zu nahe, will sie wohl sagen und Rasmus hilft ihr, so gut er kann. Die ganze Reise hat er das Vorschiff ordentlich geschrubbt, so doll, dass der Ankerwinch die Mütze wegflog. Jetzt gießt er außer dem noch alle naslang Bottiche voll besten Seewassers über Sprayhood und Achterschiff. Wir müssen Tücher wegnehmen, bei 30-35 Knötchen Wind. Dadurch wird es besser für Schiffsleib und Seemanns Seele.
Geschrieben von: Ernst am 26.07.2007
Auf See, 25.07.07 Mittags-Pos. 30°41,18’N, 16°52,11’W
Noch 123 sm bis Qinta do Lorde
Die ganze Strecke bisher hoch am Wind gegen 20-25kt Wind. Die See ist nicht sehr hoch, so um die 2-3m wohl, aber kabbelig und steil. Das Schiff setzt manchmal hart ein, sehr unangenehm und für den Quereinsteiger Wolfgang, der das erste Mal auf hoher See ist, äußerst ungewöhnlich. Was solls, es gibt keinen besseren Weg nach Quinta do Lorde.
Wolfgang hat schon Seebeine, er kennt jetzt Muskulatur, von der er bisher keine Ahnung hatte und er kann sehr gut schlafen, zu gut für meine Begriffe, ich muss ihn aus dem Bett kullern, bevor er aufwacht. Die Seekrankheit ist komplett an ihm vorbei gegangen.
Das Wetter ist wechselhaft, mal total bedeckt, dann wieder blau oder sternenklar. Immer wenn es aufklart nimmt der Wind so um die 5-6 kt zu. Manchmal setzen wir ein Reff ins Groß, was dann nach 2 Stunden wieder ausgerollt wird.
Bis Mitternacht haben wir fast direkten Kurs halten können, dann dreht der Wind weiter auf Nord und wir fahren seit dem in die falsche Richtung. Nicht viel, aber bis jetzt eben doch schon 10 sm. Mal sehen, was daraus wird.
Geschrieben von: Ernst am 25.07.2007
Auf See, 24.07.07 Mittags- Pos. 28°41,25’ N , 016°50,71’ W
Die Nacht war wirklich kurz, obgleich wir schon um 22.00 ins Bett gegangen sind. Der Wecker war auf 04.00 gestellt, aber der Wind fing mit dem Spektakel schon um 01.00 an. Ein Geheule da draußen, ehe ich wieder einschlafen konnte, war es 02.00. Um 03.00 dann wieder wach und um 04.00 endgültig aus den Federn. Nicht optimal, um da draußen in der dunklen, brüllenden See rumzugeigen. Beschlossen ist beschlossen, einen günstigen Augenblick abwarten, wo Aeolus Luft holen muss, dann schnell die Leinen los und mit Schmackes raus aus dem Hafen. In der Finsternis des Vorhafens klarieren wir dann die Leinen und hängen die Fender an ihren Platz.
Vor dem Hafen kommen dann zu dem Geheule auch noch jede Menge Wellen aus allen Richtungen. Rasmus hat seinen Spaß mit uns und schüttet uns mit ein paar Eimern von seinem Seewasser den letzten Schlaf aus den Augen. Wolfgang lässt sich mit Kaffee und Stullen aus der Hand verwöhnen.
Um 08.00 sind wir am Punte de Teno, der Nordwest-Spitze von Teneriffa. Diese Kanaren-Düse schüttelt uns bis 10.00 noch mal tüchtig durch, aber trotzdem können wir ab hier, allerdings mit Motorhilfe, den Kurs nach Madeira anlegen.
Geschrieben von: Ernst am 24.07.2007
