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Archiv für die Kategorie 'Reise Azoren Faro 2009'
Olhao vor Anker , Montag der 05.10.2009

das Schiff kommt aus dem Wasser

... und wir finden ein Stück Seil in unserer Schraube, das hätte den Verstellpropeller auch im ungünstigen Augenblick blockieren können
Olhao vor Anker , Montag der 05.10.2009
Das war mal wieder eine schöne Reise, wettermäßig mit allem, was dazu gehört, alles in Allem aber durchaus komfortabel. Die Crew war echt Klasse, schöne Tage, die man so schnell nicht vergisst.
Gründe genug, den Jungs zum Abschied noch ein Gedicht hinterher zu schicken:
Für den Seebär
Ist es nicht schwer,
doch es braucht der Mut,
der es zum ersten Male tut.
Ist der dann erst zusammen gerafft.
sind die Hürden für Thomas und Björn schnell geschafft.
Erst Oktoberfest im Hippodrom,
von dort der Flug nach Lissabon,
im Anschluss über den Ozean
knapp 2000 km nach Westen, ruck-zuck getan,
zu den Azoren, prima,
hier liegt die „Merry Mary“ in der Marina.
Massen an Proviant sind bald an Bord,
man will ja schnell fort,
von dort.
Auf See die schönen Tage ganz bequem,
viel Wind und viel Welle jedoch nicht schön,
im Gegenteil, recht unangenehm.
Geschrieben von: Ernst am 6.10.2009
Vor Anker in Olhao/Faro – Sonntag 04.10.2009
Olhao vor Anker, Sonntag 04.10.2009
Es ist still hier an Bord, zu plötzlich so still. Voll- und Leichtmatrose haben abgemustert, planmäßig und nicht übereilt, was ja auch mal so vorkommt.
Aber ich will das mal chronologisch, also für die, die chronologisch nicht kennen, der Reihe nach berichten.
Weil Maria die Einkäufe für 3 hungrige Matrosen zusammengestellt hat, aber die 3 essensmäßig nur 2 waren, wobei der 2. nur die Hälfte seines normalen Kalorienbedarfs vertilgt hat, bleibt immer viel übrig. Das war jetzt mal ein Satz für den intelligenten Leser. Ich wollte eigentlich nur sagen, dass für den übrig gebliebenen Kohl noch genügend Grillhaxen da waren. Es gab also dasselbe wie vorgestern, gestern noch einmal.
Der ganze Samstag war windstill, bis hin zu unserem Ankerplatz hier östlich neben Faro, hat sich das auch nicht mehr geändert. Nachts, so um 23.00 passieren wir Cabo Sao Vincente und Ponta de Sagres, die Südwestzipfel von Portugal. Wo sonst seeschifffahrtsmäßig der Bär rockt, ist heute tote Hose. Es stört aber auch wirklich kein Verkehr, wo sich sonst Container und Tanker die Klinke in die Hand geben. Das Verkehrstrennungsgebiet durchqueren wir nach eigenem Gusto, regelunkonform mit anderen Worten. 1990 hätte uns da mal mitten in der Nacht so ein Kollege fast über den Haufen gefahren, so um die 20 m war damals da noch zwischen. Heute, wo ich Signalraketen satt und AIS und all son Kram an Bord habe, traut sich keine Sau mehr an uns ran. Oder ist es doch die Krise? Gesehen haben wir jedenfalls Niemanden.
Geschrieben von: Ernst am 4.10.2009
Auf See, Samstag 03.10.2009 – noch 113 nm bis Faro
Auf See, Samstag 03.10.2009 Pos: 37°03,526`N 010°02,970`W
noch 113 nm bis Faro
Die See ist ruhig, deshalb gab es gestern noch mal Deftiges. Schweinshaxe gegrillt, dazu hat Björn Weißkohl gedünstet und Kartoffeln gekocht. Zu den Kartoffeln gab es Quark mit Lauch und Kräutern. Das war so lecker, dass auch Thomas diesmal nicht widerstehen konnte. Weil er wieder aufrecht unter Deck stehen kann, wurde er direkt zum Geschirrabwasch verdonnert.
Den ganzen Tag konnten wir bei 10 kt Wind noch mit gut 6-7 kt Fahrt vorankommen. Ab 22.00 Uhr hatte der Wind fertig, 3,5 kt Fahrt ist für Björns Termine zu wenig, der Hammer erweckt den Volvo wieder zum Leben. Immer wenn der Diesel läuft, füllt sich die Bilge rapide. Heute Morgen hab ich dann die Ursache gefunden. Ein Schlauch für das Seekühlwasser hat sich an einem Schraubenbolzen durchgescheuert. Vulkanisierband und Schlauchschelle lösen das Problem. Gut, dass wir dafür immer einen Ingenieur mit an Bord haben.
Manöver und Reparaturen haben sich ohne die dazu gehörigen Schlucke angesammelt, deshalb gibt es nach dieser Reparatur einen gehörigen Schluck auf das freie Cuba, soll heißen Cuba libre.
...wer zuletzt lacht, lacht am besten....und PROST !
Geschrieben von: Ernst am 3.10.2009
Auf See, Freitag 02.10.2009 – noch 247 nm bis Faro
Auf See, Freitag 02.10.2009 Pos. 37°23.953`N , 012°46,855`W
noch 247 nm bis Faro
Es ist nichts los hier auf dem großen Meer, nicht viel zu berichten. Nach dem barometrischem Untergang vorgestern steigt der Luftdruck kontinuierlich. Südliche Winde zwischen 14 und 18 kt bringen uns gut voran. Die Flugtermine haben bessere Chancen bekommen. Thomas genießt das Segeln zumeist in horizontaler Lage, wird also sehr ausgeschlafen von dieser Reise zurückkommen. Auch Björn wäre bei der glatten See durchaus wieder in der Lage, seine Kochkünste unter Beweis zu stellen, aber ich hatte für gestern schon Brathähnchen vorbereitet, zu dem es asiatisches Schlanguri gab.
Was Schlanguri ist? Also das ist was, was es immer nur als Unikat gibt, völlig dem Genie des Koches ausgesetzt. Diesmal besteht es aus Zwiebeln, Paprikaschoten, Zuchinis, auf Basis von Curry- und Koriander-Paste in Olivenöl, Meerwasser und Leberwurst gedünstet. Am Schluss mit feinstem Überseerum abgeschmeckt, genial! Fragt Björn, er hat dann sogar heute morgen, weil noch was übrig war, das Zeug zu seinen Spiegeleiern essen müssen. Thomas ist - um das nicht mitansehen zu müssen - in die Koje zum Schlafen gegangen. So schlimm wars dann nun doch nicht, ich habs ja auch gegessen und es hilft dem Seemann in die Schuhe.
Geschrieben von: Ernst am 2.10.2009
Auf See, Donnerstag 01.10.2009 – noch 386 nm bis Faro
Auf See, Donnerstag 01.10.2009 Pos. 37°49,270`N 015°35,065`W
noch 386 nm bis Faro
Von Vorgestern Abend bis Gestern Abend hat es tüchtig gepustet, in den Spitzen bis 37 kt , also ungefähr 70 kmh. Das ist an sich ja noch gar nicht mal so viel, aber gegenan, hoch am Wind, ist es doch sehr unangenehm. Außerdem baut sich auf dem Atlantik dann schnell so eine steile Welle von ungefähr 5m auf, die sich gemeinerweise genau dann bricht, wenn du da bist. Alles und jeder, der zu der Zeit im Cockpit ist, ist klitschenass, salzwassernass. Thomas steht ja noch unter Drogen und Björn erträgt es mit dem ihm eigenen Optimismus, ganz nach dem 3. Rheinischen Grundgesetz „ et hätt noch immer jutt jejonge „ . Groß kochen ist trotzdem nicht. Eine aufgemotzte Tomatensuppe, von mir eher in Eile und nebenbei, als mit Liebe gekocht, hilft den Kalorienmangel in Grenzen zu halten.
....bloß nicht wund liegen!....
Um 19.00 Uhr gestern Abend hat Rasmus keine Luft mehr, die Bewölkung geht von Schwarz nach Grau, am Horizont voraus ist noch ein Gewitter im Gang, aber als wir da sind, hat sich der Unmut vom Zeus wieder gelegt und wir bleiben unbehelligt. Nur Neptun und seine Najaden halten das Meer noch tüchtig in Bewegung. Alte Salzbuckel sprechen von alter Dünung, die Wellen wissen plötzlich nicht mehr wohin sie sollen und laufen kreuz und quer durcheinander, sehr unangenehme Schiffs-Bewegungen, denen man da an Bord ausgesetzt ist.
Geschrieben von: Ernst am 2.10.2009
Auf See, Mittwoch 30.09.09 – noch 489 nm bis Faro
Auf See, Mittwoch 30.09.09 37°54,857`N 017°53,181`W
noch 489 sm bis Faro
Es ist nicht viel Zeit, Berichte zu schreiben. Seit gestern nachmittag haben wir Winde zwischen 25 und 35 kt und sehr grobe See. Thomas wird mit Vomex gedopt, Björn gibt eher gelassen ein Teil des Steaks von gestern an Rasmus weiter. Es kommt viel Wasser über, aber die Fenster sind dicht. Und sonst ist wieder alles klar, auf der Andrea Doria, würde uns Udo sagen. Der Strom wird weniger, ich melde mich morgen wieder.

es braut sich was zusammen
Geschrieben von: Ernst am 30.09.2009
