Am 15.01. morgens verlassen wir zeitig die Bucht auf der Caleta Del Bosque. Es nieselt zuerst mal wieder, aber dann wird das Wetter besser und besser. Die ausgebaumte Genua zieht uns mit gut 5 kt in die richtige Richtung. Der Brazo Sudeste ist der südwestliche Teil des Beagle Kanals, das Klima ist wesentlich rauer, die Wälder spärlich. Das etwas mildere Klima beginnt erst so in der Höhe von Ushuaia, das von den Darwin Kordillieren und den Bergen der Isla Hoste vor dem immer gegenwärtigen Südwestwind geschützt wird. Wir werfen unseren Anker in der Bucht von Pto. Navarino, auf der chilenischen Seite des Beagle Kanals in Höhe von Ushuaia. Hier haben wir nach Tagen wieder den ersten Telefonkontakt in die Zivilisation und sichten auch das erste Segelboot seit unserer Abfahrt aus Puerto Wiliams. Grundnahrungsmittel wie Bier und so was, sind alle, es lockt der Krämer in Puerto Wiliams. Nach Ushuaia, gerade gegenüber, dürfen wir nicht, weil wir noch nicht ausklariert sind. Puerto Navarino hat keine Versorgungsmöglichkeiten, es besteht aus einigen Häusern, von denen  2 von Wachposten der Marine bewohnt sind. Der Rest verfällt langsam. Das schöne große Haus direkt am Steg wurde 1928 gebaut und war, bis Puerto Wiliams 1951 gebaut wurde, Sitz der Administration dieser Gegend.

Gestern am 13.01. ist Hamburg, also Günter D und ich verdonnert, um 07.00 die Landleinen zu lösen, das Grundeisen aus dem Schlamm zu ziehen, Beiboot an Deck hieven und laschen und Kurs auf das nächste Ziel, den Garibaldi Fjord, zu nehmen. Der Rest der Mannschaft darf durchschlafen. Mit einem heißen Kaffee sind wir 30 Minuten später unterwegs. Zum Garibaldi sind es nur ca. 30 nm , so dass wir schon um 13.00 dort sind. Der Gletscher spuckt viel Treibeis aus, wir können trotzdem mit langsamer Fahrt nahe heran fahren.

ein Hund schwimmt vorbei

Gletscher Garibaldi

Ein Versuch mit dem Dingi näher an den Gletscher oder näher an eine Seelöwenkolonie zu kommen, müssen wir wegen des dichten Eises aufgeben. Die Eisschollen sind teilweise so dick, dass Günter für ein Foto eine besteigt. Es ist ein schöner, sonniger Tag und wir können uns lange nicht von diesem Ort trennen, lassen das Segelboot einfach treiben, doch schon eine Stunde später ist das Boot völlig von den Eisschollen eingeschlossen.

Treibeis

Guenter auf Treibeis

Klar, es gab abends am 10.01. noch Miesmuscheln. Günther A ( A für Austria, es gibt 2 Günthers hier an Bord ), schruppt 2 Stunden an den Muscheln, bevor sie reif für den Topf sind. Sie sind größer, als unsere, außen und innen. Schmecken tun sie ähnlich. Am nächsten Morgen, so um 07.00 rum, macht die Ankerkette Radau, so ein Aluminiumschiff ist hellhörig. Der Wind hat gedreht, der Anker hält nicht so richtig und wir liegen nur ca. 20 m von Land weg. Es hat also schnell gehen müssen. Beiboot klar machen, Landleine vom Baum abbinden, Motor starten ( die 30 Sek. Zum Vorglühen dauern eine Ewigkeit ), Anker aufholen und nix wie weg von Land. Die Abfahrt war eigentlich für 10.00 geplant, so können wir trödeln, teilweise sogar segelnd den Brazo Nordeste dahintreiben. Es ist wie winterliches Segeln auf einem Gebirgssee. Links und rechts hohe eisbedeckte Berge, unten dichte Wälder, für einen Segler ein ganz ungewohntes aber supertolles Revier, wenn bloß der heutige Nieselregen nicht wäre. Gestern noch im T-Shirt, frierst du heute im Faserpelz unter dem Ostfriesennerz. Wärmen tun uns meine ersten Eierpfannkuchenversuche. Die einen bekommen sie mit Wurst, Zwiebeln, Knoblauch und Käse, die anderen mit Marmelade. Beschwert hat sich keiner.

Bei herrlichem Wetter fahren wir am 08.01. am Vormittag von Port Williams los. Teilweise können wir sogar segeln, aber so richtig kommt dieser Dampfer nicht in Schwung. Wenn man auf einer Wanderdüne sitzt, muss man halt Zeit mitbringen.

Die chilenische Marine, mit der wir die Biervorräte der Frachterbar gestern Abend vor schwere Nachschubaufgaben gestellt haben, ist zum Manöver ausgerückt und überholt uns mit heftigem Tuten. Die Köpfe, die die Jungs haben, werden sich nicht wesentlich von den unsrigen unterscheiden.

unsere Bewacher und Saufkumpane

Am 06.01. so um 16.00 laufen wir dann, ordentlich ausgeschlafen, wieder aus dieser wunderschönen Bucht von Echappeebelle aus. Es ist ja nicht weit bis Port Williams. Der Wind kommt wie immer meistens von vorn, aber dies Schiff hat 2 starke Maschinen, für dieses Revier ideal. Um 19.45 sind wir wieder fest im Päckchen am alten Versorgungsfrachter.

Die frühere Messe dieses Frachters ist heute eine Bar und macht so um 22.00 herum auf. Wir haben ja was zu feiern und andere Schiffsbesatzungen wohl auch. Ich kann mich noch schwach an den Flughafenkontroller erinnern, auch noch an ein paar Bretonen, die mit ihrem 9 m langen Segelboot hier her gekommen sind. Die Landung auf dem Tisch, die der Flughafenkontroller zu späterer Stunde hingelegt hat, war nicht ganz gelungen. Das Fahrwerk war nicht ausgefahren. Eine harte Landung so zu sagen. Gott sei Dank war es ja auch für uns kein weiter Weg zum Bett.

Der heutige Tag fängt früh an. Der Innenlieger unseres Päckchens will um 07.00 raus, Richtung Kap Hoorn. Das bedeutet viele Manöver, Leinen lösen und holen, über Schiffe klettern usw. Dabei ist der gestrige Abend noch gar nicht so lange her. Irgendwie gelingt dennoch alles zu aller Zufriedenheit und man kann danach wieder ruhen.

04.01. morgens 09.00 Leinen los und auslaufen aus dieser wunderschönen Bucht von Port Williams, viel schöner als Ushuaia. Das Pflichtprogramm Kap Hoorn steht auf dem Programmzettel. Das Wetter soll passabel sein, nicht über 40 kt Wind wird versprochen, wobei der Wetterbericht böses Wetter ab 05. abends vorhersagt.

dumm gelaufen

Mit achterlichen Winden geht es den Beaglekanal ostwärts an einem Frachterwrack, das blaue EBE im Schornstein kommt mir irgendwie bekannt vor, dann rechts abbiegen, die Insel Lennox lassen wir links liegen und brummen genau auf einen kleinen Felsen zu. Sollen wir links oder rechts an diesem untiefen, hartem Schiffsweghindernis vorbei? Beide Seiten haben genug Wassertiefe. Wir entscheiden uns für links, passt einfach besser zum Wind. Diese Entscheidung bringt uns die erste Bekanntschaft mit Kelp ein, einer bis zu 15m hohen Wasserschlingpflanze, die gern Ruder und Schraubenwellen blockiert und für die Wissende, starke Stechwerkzeuge mit sich führen. Wir kommen nur mit Müh und Not und ohne den Einsatz von Stechwerkzeugen aus diesem Kelpfeld heraus, Glück gehabt. Das muss man mal erleben, dann hast du jede Menge Respekt, als wenn man durch einen Haufen Fischernetze fährt. Bei Wassertiefen unter 20m ist in diesem Revier verstärkt mit diesen Schifffahrtshindernissen zu rechnen. Ab jetzt wissen wir, dass wir westlich an diesem Fels vorbei müssen. Erst wenn du einen Tritt in den Hintern bekommst, weißt du, dass es weh tut.