Endlich mal wieder auf See, wenn auch auf rauer See, aber das habe ich ja gewusst.

Zunächst geht es einigermaßen pünktlich in Ushuaia zur Prefektura Naval, das sind die argentinischen Matrosen und Offiziere, die auf ihr Meer aufpassen, wie die Schießhunde. Manchmal tun sie das auch, das Schießen, und legen sich dann wegen ein paar Schaafsinseln, wie den Falklandinseln, die ohne hin nur Subvention verschlingen, mit anderen ausländischen Matrosen und Offizieren an, die dafür auch nichts können.

Unser Offizier zum Ausklarieren ist eine vollschlanke Dame, eher voll als schlank, aber sehr nett und gründlich. Es dauert also und sie will uns alle sehen. Ist das hier eine Brautschau? Ehe dann Zoll, Gesundheitsamt, Hafenkapitän und sonstige Behörden ihren Haken unter wichtige Schriftstücke gemacht haben, ist es 15.00 und Zeit zum Auslaufen. Nach Porto Williams in Chile, auf der anderen Seite des Benagle-Kanals sind es 35 num. und dieser Dampfer ist kein arabischen Rennpferd, sondern eher belgisches Kaltblut aus. Na ja, wir sind ja nicht auf der Flucht.

es geht endlich los, Abfahrt von Ushuaia

 

Schon wieder sind 3 Tage vorbei, 3 schnelle Tage mit Sightseeing, wir hatten ja bis heute Morgen noch den Mietwagen, dann , weil es dazu als Alternative nur das Irish Pub gab, Sylvester im Nobel-Restaurant. Es hat sich gelohnt, ein bisschen mehr Geld auszugeben. Das Essen war sehr gut, die Stimmung auch ohne Knallkörper super, der Diskjockey hat sich in Sachen Stimmungsmusik ausgekannt und die südamerikanische Damenwelt wusste, wie man den Hintern zu dieser Musik zu bewegen hat.

 
 

Sylvester

Die Rekonvaleszens wurde dann wieder vom Sightseeing abgelöst, heute Morgen dann, bevor der Mietwagen zurückkommt, drei Einkaufswagen Proviant eingekauft, verladen und verstaut.

Ausflug ins Nirgendwo

Bei der Jause, so heißt Frühstück hier auf dem österreichischen Schiff, mal sehen, was ich noch alles so an Fremdwörtern lernen muss, werden Reisepläne geschmiedet. In den zwei letzten Tagen wurde die Möglichkeit eines Antarktisbesuches diskutiert. Das wurde heute Morgen noch einmal nachgerechnet, die Zeit ist für das Unternehmen knapp, Günther II muss seinen Flug bekommen. So bleibt es bei der Anfangsplanung: Morgen auslaufen nach Port Williams und, weil alles, was von hier aus südlich ist zu Chile gehört, einschließlich Kap Hoorn und dem westlichen Beagle-Kanal, dort in Chile einklarieren. Nach dem Besuch von Kap Hoorn soll es wieder zurück in den Beagle-Kanal, dann durch Kanäle und/oder außen herum in die Magallane-Straße nach Osten, dann den Atlantik wieder runter, durch die Maire-Straße zurück in den Beagle-Kanal nach Ushuaia. Damit hätten wir dann einmal Feuerland umrundet. Die Zeit ist durch den Rückflugtermin von Günther II vorgegeben, dem ich mich wahrscheinlich dann anschließen werde. So ist jetzt erst mal die Planung.

Am ersten Tag allein hier am Ende der Welt, weiß ich nicht so recht, was ich anfangen soll. Das Wetter ist gut, also geh ich mal zum Aeroclub und frag nach einer Flugzeugcharter. Ich will mal sehen, wo die Delphin-Crew bleibt. Kein Problem sagen die netten Leute, aber weil hier nur spanisch am Funk gebabbelt wird und Chile gleich gegenüber ist, kommt ein Sicherheitspilot mit. Mir kann es nur recht sein und für 2 Personen genügt die zweisitzige Piper Tomahawk. Auch nach 100km ist im Westen nix von den Jungs und Mädels da an Bord zu sehen. Wir drehen um und genießen die Berge, die Pinguininsel, die Buchten und Port Wiliams auf der chilenischen Seite. Die Jungs vom Fliegerclub hier haben die militärische Landebahn, quer zum Verkehrsflugplatz, quasi für sich allein und fliegen das ganze Jahr. Am liebsten natürlich Rundflüge, was ordentlich Geld in die Kasse bringt.

Ushuaia Aeroclub

 

Flug in den Anden

  

 

Gestern war, nach 4 schönen Tagen, der erste Tag mit mäßigem Wetter. Der Vormittag geht mit dem Bummeln durch die Hauptstraße, Maria braucht ja neue Schminksachen, samt Tasche und Portemonnaie,  die im Taxi verloren gingen, ich bekomm eine neue Treckinghose, am Nachmittag fahren wir zu einer Estancia, der südlichsten dieser Welt, sagen sie, 8000 Schafe groß. Die Farmen hier werden nicht nach Hektar, sondern nach Anzahl der Schafe gemessen. 40km auf Asphalt, dann 45km Sandpiste, beide Wege sind, wie überall hier, durchgängig mit einem Zaun abgetrennt. Die größten Kosten einer Farm entstehen durch Bau und Unterhalt der Zäune, sagt man. Von dieser Estancia Haberton dort geht eine Fähre zu der Pinguin-Insel.

die Ausläufer der Anden in Südfeuerland

 

Transport zur Pinguininsel

jede Menge Pinguine

 

Die Fähre ist offen, das Wetter nasskalt, Maria bleibt deshalb lieber auf der Estancia. Je 20min Hin-und Rückfahrt, sowie eine Stunde Aufenthalt dort auf der Insel mit viel Regen und Wind geben ihr Recht, die sonst so warme Fleecejacke hält diesen Herausforderungen nicht Stand, auch die Pinguine können nicht so richtig wärmen, ich komm völlig nass und durchgefroren wieder zurück. Bullerofen, Kaffee und Kuchen bemühen sich redlich, um mich wieder einigermaßen auf Vordermann zu bringen.

Heute ist ein Ausflug nach Rio Grande, einer Hafenstadt ca.200 km nördlich von Ushuaia geplant. Aus meiner Sicht, die einzige Zwischenstation, die die Delphin-Crew auf ihrem Weg hierher anlaufen könnte. Wir haben immer noch keinen Kontakt mit ihnen. Der Weg dahin ist bis zu dem Lago Fagnano , dem längsten Binnensee der Welt, hat uns unser Hotelmanager mit auf den Weg gegeben, von grandioser Natur bestimmt. Ähnlich dem Yosemite-Park in Kalifornien mit der Sierra Nevada im November. Bewaldetes, teils schneebedecktes Gebirge mit größeren Seen, einfach tolle Natur, auch für uns, die wir nun doch nicht so sehr zu den großen Gebirgsenthusiasten zählen. Nördlich des Lago Fagnano beginnt allmählich die baum- und buscharme Pampa. Die durchgehenden Zäune links und rechts der Straße grenzen wohl die riesigen Weideflächen der Großgrundbesitzer ein. Wir haben Proviant mit, finden aber wegen der Zäune nicht so leicht ein richtiges Plätzchen für ein Picknick, dafür aber hübsche Lamafamilien am Straßenrand.

Lago Fagnano

 

Rio Grande enttäuscht auf ganzer Linie.  Außer einem Haufen unsinniger Ampeln gibt es von diesem Ort nichts zu berichten. Einen Hafen haben wir auch nicht gefunden. Jetzt wissen wir, warum uns unser Hotelmanager so verwundert angesehen hat, als wir ihm von unserem  Ziel erzählt haben.

Am 26.12. haben wir jetzt Klarheit, Marias Tasche ist geklaut. Nachdem wir morgens den Mietwagen geholt haben, sind wir zur Taxizentrale am Hafen gefahren. Maria hat den Chef der Taxiorganisation an der Ehre gepackt, indem sie angedeutet hat, dass evtl . der Taxifahrer der Übeltäter ist, da er es so supereilig hatte, mit seinem Wegfahren.  Das hat für Aufregung gesorgt, mit mehreren Mann wurde jetzt der Strolch und Nestbeschmutzer gesucht. Mehrere Fahrer mit schwarzen Opel- oder Chevrolet-Taxis mussten antreten, nein sie waren es nicht. Der Oberaufseher und Taxieinteiler wurde herbeordert und wusste noch mehr Namen. Der Richtige wurde schließlich von seiner Freischicht abgeholt, aber die Tasche war nicht im Auto zu finden. Klar konnte er sich an uns erinnern, er wusste aber von keiner Tasche, auf der Rückfahrt vom Hotel jedoch hatte er zwei junge Burschen als Fahrgäste, die zuerst ein Ziel an der Stadtgrenze angaben, aber schon nach 3 Minuten, lange vor dem Ziel,  das Taxi wieder anhalten ließen und schnell verschwanden. Diese beiden Halunken haben sicherlich die Tasche geklaut. Dagegen war nichts vorzubringen und die Taxifahrerehre war damit notdürftig wieder hergestellt. Wir aber wussten jetzt  jedenfalls, dass die Tasche mit Bargeld, Ausweis, Führerschein und Kreditkarten auf die Verlustseite zu setzen war. Der Verlust der Schminkutensilien, die ebenfalls in der Tasche waren, hat Maria wahrscheinlich am meisten getroffen. Weil ja unsere Behörden für die Neuausstellung von Personalausweis und Führerschein was Schriftliches haben müssen, gingen die nächsten 3 Stunden für das polizeiliche Protokoll drauf. Keiner konnte Englisch dort auf der Polizeiwache, aber mit der Hilfe des Taxivereinigungschefs, kam dann doch irgendwann ein Schriftstück mit Stempel gegen eine quittierte Gebühr von umgerechnet  0.40 € zu Stande. Was drin steht, lässt sich Maria später von unseren Studenten übersetzen. Die Wartezeit hab ich mit dem Sperren der Kreditkarten ausgefüllt.